Was passiert, wenn EZB
ihre Politik ändert?


"Dann wird es wohl in die andere Richtung gehen", sagt Finanzexperte Hahn. "Wie man aus der extrem expansiven Geldpolitik aussteigt, wie dieser Exit gelingt, wird interessant werden, das ist die große Unbekannte."

Dass die Superreichen, und nicht nur jene in Österreich, über tolle Entwicklungen ihrer Wertpapiere jubeln können, bedeutet noch nicht, dass sie diese Gewinne auch realisieren werden können. Für Hahn ist es vielmehr denkbar, dass die Verluste der Zukunft die Wertsteigerungen der Gegenwart wieder auffressen. "Es kann schon auch Effekte haben, die sich positiv auswirken, aber meine Befürchtung ist eher, dass da eine Blase geritten wird."

Eine entscheidende Frage ist, wohin das Geld jener Superreichen fließen wird, wenn die Geldmenge wieder reduziert wird. Im Idealfall können Piëch, Stronach, Mateschitz und Co. ihre satten Gewinne dieser Jahre am Finanzmarkt realisiere, wenn sie rechtzeitig ihre Wertpapiere verkaufen. Doch sie werden vermutlich nicht daheim die Banknoten stapeln. Fließt das Geld in Unternehmensbeteiligungen? In weitere Immobilien? Wird es als Risikokapital Start-ups zur Verfügung gestellt werden?

Gewinne des Mittelstands wirken sich kaum aus


Freilich haben nicht nur Superreiche von den positiven Entwicklungen an der Börse profitiert, allerdings seien die Zugewinne in absoluten Zahlen laut Hahn für den Mittelstand zu gering, um einen volkswirtschaftlich messbaren Effekt zu haben. Dividendenzahlungen fließen zudem in die Einkommensstatistiken ein und sind daher nicht als Gewinne aus Finanzvermögen zu bewerten.

Dass am Ende der gegenwärtigen Hausse, wann immer diese auch sein wird, die Superreichen vermutlich besser aussteigen werden als der Mittelstand, kann zwar nur spekuliert werden, ist aber aufgrund des qualitativ besseren Finanzmanagements wahrscheinlich. Was wieder ein Puzzlestein in der ungleichen Verteilung von Vermögen wäre, die in Österreich laut einer Studie der Nationalbank sehr ausgeprägt ist.

Diesen Umstand durch die Einführung einer Erbschaftssteuer zu mildern, hat die Regierung im Rahmen der Steuerreform nicht beschließen wollen, auch wenn die Arbeiterkammer in einer Studie im Februar noch extra auf den hohen Beitrag von Erbschaften bei den Gründen für Vermögensungleichheit hinwies - die "Wiener Zeitung" berichtete. Eine Vermögenssteuer, wie sie die SPÖ im Vorjahr noch gefordert hat, wurde nicht einmal diskutiert.