Wiener Neustadt/Oberwart. Mit der Schließung des Triumph-Nähzentrums mit 210 Beschäftigten im burgenländischen Oberwart steht auch in der Österreich-Zentrale in Wiener Neustadt eine Kündigungswelle an. Rund 170 Stellen sollen abgebaut werden, teilt der Konzern mit. Damit kündigt Triumph hierzulande ein Drittel der 1135 Mitarbeiter. Betriebsrat Manfred Knebel fordert, "dass Fakten und Namen auf den Tisch gelegt werden". Derzeit herrscht unter den 625 Beschäftigten in Wiener Neustadt Ungewissheit, ob sie gekündigt werden.

"Es wird kaum einen Bereich geben, der nicht betroffen ist", so Knebel. In Wiener Neustadt sind beispielsweise die technische Unterstützung für Oberwart und die zentrale Lohnverrechnung angesiedelt. Zwar wurde die Restrukturierung konzernintern seit rund einem Jahr diskutiert. Man habe aber nicht damit gerechnet, dass die Umsetzung so kurzfristig kommt, so Knebel. Mit Oberwart schließt die letzte Triumph-Produktionsstätte in Österreich.

Burgenland stellt 200.000 Euro für Stiftung zur Verfügung

Das Nähzentrum in Oberwart wird Ende Juli geschlossen, so der Betriebsrat. Zu diesem Zeitpunkt haben bisher die Werksferien begonnen. Vom Unternehmen heißt es, das Werk werde Ende des Sommers geschlossen. In Oberwart arbeiten rund 160 Näherinnen, Angestellte, vier Verkäuferinnen im Outlet-Geschäft und drei Mechaniker - die einzigen Männer. "Die Mitarbeiter reagierten mit Betroffenheit und Fassungslosigkeit auf die Schließung. Alle waren in einem Schockzustand", sagte Werksleiterin Roswitha Plesser: "Jeder hat gehofft, dass es noch ein paar Jahre dauern wird, bis zugesperrt wird, oder dass es sich bei manchen doch noch bis zur Pension ausgeht." Das Durchschnittsalter liege bei 47 Jahren. Die Jobchancen stehen schlecht, die Textilindustrie - auch der Schweizer Wäschekonzern Triumph - engagiert zunehmend Lohnfertiger in Asien.

Die Belegschaftsvertretung setzt sich für eine gemeinsame Arbeitsstiftung für gekündigte Mitarbeiter an den beiden Triumph-Standorten ein. Burgenlands Landeshauptmann Hans Niessl (SPÖ), derzeit im Wahlkampf für die Landtagswahl am 31. Mai, hat am Freitag bei einem Besuch im Werk in Oberwart zugesichert, dass das Land 200.000 Euro für eine Stiftung zur Verfügung stellt. Sollte diese Summe nicht reichen, werde man den Betrag aufstocken. Mitarbeiter ab 50 könnten zudem ein Jahr lang bei der Gemeinde arbeiten, eine Hälfte des Lohnes übernehme das Land. Als neues Berufsfeld nannte Niessl Pflege oder Tourismus.

"Was wir jetzt erleben ist für mich ein Novum, dass Politik ungefragt von sich aus die Geldbeutel aufmacht und sagt, wir unterstützen euch dabei", so Kay Zumkley, Vorstand der Triumph International AG. Triumph wird sich an der Arbeitsstiftung beteiligen. In welcher Form, ist Teil der Verhandlungen für einen Sozialplan, die am 7. und 8. April starten.

Pläne für Schau-Konditorei in ehemaligem Werk auf Eis

Triumph hat seit 2010 in Österreich mehr als 500 Jobs gestrichen, nun kommen 380 dazu. Ebenfalls heuer wird die Produktion in Dunaújváros (Ungarn) mit 412 Beschäftigten geschlossen, ein Käufer wird gesucht. Auf dem Standort des ehemaligen Triumph-Werks in Hartberg, das 2010 zusperrte, plant der burgenländische Konditorbetrieb Ulreich seit Jahren eine gläserne Schaukonditorei. "Die Pläne sind fertig, wir haben aber noch nicht gebaut", sagt Firmenchef Helmut Ulreich und begründet dies mit dem wirtschaftlich schwierigen Umfeld. Derzeit werde das Werk als Lager genutzt.