Wien. Die Arbeitslosenzahlen steigen nun bereits seit August 2011 und die Arbeitslosenquote liegt auf dem höchsten Stand seit den 1950er-Jahren. Sozialminister Rudolf Hundstorfer (SPÖ) erwartet auch in den nächsten Monaten keine merkliche Besserung. "Die Situation am österreichischen Arbeitsmarkt auch Ende März ist noch ein gutes Stück von einer nachhaltigen Erholung entfernt", so Hundstorfer.

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Ende März waren 428.519 Menschen ohne Job, um 6,5 Prozent mehr als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote nach nationaler Definition stieg im Jahresabstand um 0,9 Prozentpunkte auf 9,4 Prozent. Das statistische Amt der Europäischen Union weist für Österreich aktuell einen Gesamtwert von 5,3 Prozent aus. Trotz der neuen -und von den meisten anderen EU-Mitgliedsstaaten abweichenden Berechnungsmethode - bleibt Österreich in der Europäischen Union bei beiden Werten hinter Deutschland an zweiter Stelle in der Union.

Ende März gab es laut Sozialministerium 360.212 vorgemerkte Arbeitslose, das waren um 12,9 Prozent mehr als im Vorjahresmonat.

Ältere und Ausländer am stärksten betroffen

Überdurchschnittlich stark vom Anstieg der Arbeitslosigkeit Ende März betroffen waren erneut Ausländer (+22,2 Prozent), Ältere ab 50 Jahren (+16,2 Prozent) und Behinderte Personen (+17,0 Prozent). Im Vergleich etwas besser entwickelte sich die Lage bei Jugendlichen (15 bis 24 Jahre), hier war nur ein Zuwachs um 5,7 Prozent zu verzeichnen. Die Arbeitslosenzahlen stiegen bei Männern (+14,9 Prozent) deutlich stärker als bei Frauen (+9,9 Prozent).

Nach Bundesländern betrachtet stieg die Zahl der vorgemerkten Arbeitslosen in acht Bundesländern, in Tirol wurde ein kleiner Rückgang (-1,1 Prozent) verzeichnet. Der stärkste Zuwachs war in Wien zu verzeichnen mit 23 Prozent, gefolgt von Oberösterreich mit 12,4 Prozent und Niederösterreich mit 12,0 Prozent.

Nachdem die Schulungsstrategie des AMS geändert wurde, sind die Schulungsteilnahmen zum Teil stark rückläufig. Oftmals kritisierte Kurz-Kurse des AMS werden zurückgefahren und mehr vertiefte Schulungen und Ausbildungen angeboten.  Die Zahl der Schulungsteilnehmer beim AMS verringerte sich um 17,8 Prozent auf 68.307 Personen.

Den stärksten Anstieg der Arbeitslosigkeit nach Branchen gab es Ende März im Bereich der Leiharbeit (+16,4 Prozent) und am Bau (+14,3 Prozent). Der geringste Anstieg im Vergleich zum Vorjahresmonat wurde im Tourismus mit 2,3 Prozent verzeichnet.

Die Zahl der Arbeitsplätze nimmt zu

Es gibt aber auch ein Trostpflaster: Trotz schwächelnder Wirtschaft ist die Beschäftigung in Österreich im März weiter gestiegen. Die Zahl der aktiv unselbstständig Beschäftigten erhöhte sich per Ende März laut einer vorläufigen Prognose um 14.000 Personen (+0,4 Prozent) auf 3,398 Millionen - auch das ein Rekord.

"Die Nachfrage nach Arbeitskräften reicht aber nicht aus, das kräftig steigende Arbeitskräfteangebot aufzunehmen", meint Hundstorfer:  Die Anzahl der gemeldeten offenen Stellen ist um 915 (-3,4 Prozent) auf 26.252 zurückgegangen.

Mehr Arbeitsplätze gibt es derzeit laut Hundstorfer lediglich im Tourismus, im Gesundheitswesen, im Transportwesen sowie im Kommunikations- Informationsbereich. In den noch stärker konjunkturabhängigen Branchen Warenproduktion und am Bau sei die Zahl der Beschäftigten hingegen nach wie vor rückläufig.

Steuerreform soll Konjunktur ankurbeln

Die Steuerreform und das geplante Wohnbauprogramm sollen nun die heimische Konjunktur ankurbeln. "Allerdings wird die Belebung der Konsum- und Baunachfrage wohl erst im nächsten Jahr entsprechende Auswirkungen zeigen", betonte Hundstorfer am Mittwoch in einer Aussendung. Kurzfristig werde der schwächere Euro über die Belebung des Außenhandels und der niedrige Ölpreis Konjunkturimpulse bringen. Der Sozialminister erwartet, dass Österreich - mit etwas Verzögerung - dem positiven Konjunkturpfad Deutschlands folgen wird.