Wien. (sf/apa) 276 neue internationale Unternehmen haben sich im Vorjahr mithilfe der Austrian Business Agency (ABA) in Österreich angesiedelt - ein neuer Rekord in der 33-jährigen Firmengeschichte der Betriebsansiedlungsagentur. Die ABA versucht, vermehrt auch internationale Start-ups für den Standort Österreich zu gewinnen. So hat das in New York gegründete Start-up NextSociety im Vorjahr sein globales Entwicklungszentrum für die Networking-App in Wien angesiedelt - und damit dem Standort Wien vor Berlin den Vorzug gegeben.

"Wien baut ein sehr starkes Start-up-Epizentrum auf, ist aber noch nicht so übersättigt wie etwa Berlin", sagt Co-Gründer Peter Stebe. Der frühere Unternehmensberater hat gemeinsam mit Kollegen in den USA die Applikation entwickelt, die das berufliche Netzwerken erleichtern soll. In Wien sollen die Funktionen der Anwendung erweitert werden. "Zusätzlich ist der Standort auch unser zentraler Hub für alle Marketing-Aktivitäten in Europa", sagt Stebe, der seine Karriere von Österreich aus gestartet hat.

Mitterlehner: "Schön, dass andere uns besser sehen"


"Schön, dass andere uns besser sehen als wir uns manchmal selbst wahrnehmen", teilte Wirtschaftsminister und ABA-Eigentümervertreter Reinhold Mitterlehner zum Rekord an Betriebsansiedlungen über den Kurznachrichtendienst Twitter mit. Gegenüber dem Vorjahr ließen sich 21 Prozent mehr Betriebe nieder. Die Firmen investierten 371 Millionen Euro (plus sieben Prozent), die Zahl der Arbeitsplätze stieg um 79 Prozent auf 2645. Für das Plus hauptverantwortlich waren vier Firmen mit jeweils mehr als hundert Mitarbeitern.

Spitzenreiter war Wien mit 131 neuen Niederlassungen, die von der ABA unterstützt wurden. Insgesamt siedelten sich 159 internationale Firmen in der Bundeshauptstadt an. Eröffnungen wie jene des Hotel Park Hyatt oder des Hard Rock Cafés in der Innenstadt schlagen sich ebenfalls in der Statistik nieder. Die größte Investition kommt von E-shelter: Das deutsche Unternehmen baut um 140 Millionen Euro ein Rechenzentrum am Wienerberg. Der russische Produzent Lukoil Lubricants übernahm die ehemalige OMV-Produktionsstätte am Ölhafen (im Bild), in der nun Schmiermittel für die Autoindustrie hergestellt werden. Auch die Mitarbeiter wurden übernommen. Der Ausbau startete im Februar.

Im Stadterweiterungsgebiet Aspern unterstützt die deutsche Firma Greenvest Betreiber von Kleinwasserkraftwerken bei der Modernisierung ihrer Anlagen.

Steigendes Interesse von Firmen aus Ost- und Südosteuropa


Wichtigstes Investorenland war Deutschland mit 88 Ansiedlungen (plus vier Prozent). Aus Baden Württemberg stammt der Mittelständler Schäflein Logistics, der in Hallein (Salzburg) ein Logistikcenter mit 40 Beschäftigen errichtet hat. "Österreich hat viele Schlüsselindustrien wie Automobilzulieferer und Maschinen- und Anlagenbauer sowie eine gute Anbindung auch an osteuropäische Länder", begründet der Vorstandsvorsitzende Achim Schäflein den Schritt nach Österreich.

Hinter Deutschland folgte Italien mit 43 Unternehmen. Auch aus Ost- und Südeuropa steigt das Interesse: Mit 74 Unternehmen kam mehr als jede vierte ABA-Ansiedlung aus diesen Ländern.

Laut ABA-Geschäftsführer René Siegl läuft auch 2015 bis dato "sensationell gut". 68 Ansiedlungen wurden bisher registriert, 40 davon in Wien. Zum einen sei der Standort Österreich "besser als sein Ruf im Inland". Und, was angesichts zahlreicher Krisen immer wichtiger werde: Österreich könne mit Stabilität punkten.