Wien. Der Baukonzern Porr rüstet sich unter der Führung von Karl-Heinz Strauss zusehends für den verschärften Konkurrenzdruck in der Branche. 2014 hat sie die UBM Realitätenentwicklung AG übernommen, mit der eigenen Immobiliensparte verschmolzen und dann abgestoßen. Die Maßnahme lohnte sich: "Wir haben die Nettoverschuldung de facto abgebaut und einen Überschuss lukriert", sagte Strauss am Donnerstag vor Journalisten.

Per Ende Dezember habe das Unternehmen eine Netto-Cashposition von 65 Millionen Euro ausgewiesen - nach einem Minus von 357 Millionen Euro zum Vorjahresstichtag, präzisierte Finanzvorstand Christian Maier.

"Wir haben ein spannendes Jahr hinter uns", resümierte Konzernchef Strauss. 2012 habe Österreichs zweitgrößter Baukonzern (hinter der Strabag) den Turnaround geschafft, 2013 und 2014 die positive Entwicklung dann bestätigt. Im Mai hatte die Porr eine rund 120 Millionen Euro schwere Kapitalerhöhung durchgezogen. Der Komplettabbau der Nettofinanzverschuldung sei "ein Jahr früher als geplant" gelungen.

Hohe Steuern


Den Rückgang des Konzerngewinns von 52,5 auf 48,6 Millionen Euro - bei einer um 9,9 Prozent auf 3,48 Milliarden Euro gestiegenen Produktionsleistung - begründet Strauss mit den hohen Steuern, die vor allem auf dem Kernmarkt Deutschland infolge von Immobilienverkäufen zu zahlen gewesen seien.

Als reiner Baukonzern (ohne Immobiliensparte) will sich die Porr weiterhin auf die wachsenden "Heimmärkte" Österreich, Deutschland, Schweiz, Polen und Tschechien konzentrieren, wo rund 90 Prozent der Betriebsleistung erzielt werden. Allerdings zieht es auch die Konkurrenz dorthin. "Wir haben eine Konsolidierung in der Baubranche zu erwarten", weiß auch Strauss. Die Milliardenpleite des einst zweitgrößten Baukonzerns Alpine im Sommer 2013 bekomme die Branche erst Ende 2014 und 2015 in Form von erhöhtem Wettbewerbsdruck zu spüren. Als Bauunternehmen werde man in der Zukunft eine bestimmte Größe haben müssen, um zu bestehen.

Neben den stabil wachsenden Heimmärkten hat die Porr punktuell auch Saudi-Arabien, England und Skandinavien als Zielmarkt im Fokus - Voraussetzung ist jeweils ein lokaler Partner vor Ort. Die Porr beschränkt sich in diesen Ländern auf Tunnelbau, Bahnbau und komplexen Ingenieurbau. "Wir machen dort keinen Hochbau, da hätten wir zu wenig Unterschied zu den anderen Baufirmen, die komplette Palette bieten wir nur auf unseren Heimmärkten an", erklärte Porr-Vorstand Hans Wenkenbach.

U-Bahn-Auftrag für Doha


In Katar, dem Gastgeberland der Fußball-WM 2022, etwa hat sich der österreichische Konzern vor eineinhalb Jahren einen U-Bahn-Bauauftrag für Doha gesichert. Das Auftragsvolumen umfasst 1,89 Milliarden Euro, davon entfallen 50 Prozent auf die Porr. In Saudi-Arabien strebt die Porr laut Eigenangaben einen Markteintritt an, "sehr vorsichtig und risikoavers", wie Wenkenbach versicherte. Der Baukonzern bietet dort beispielsweise für den Metro-Bau in Mekka mit. Eine Entscheidung könnte noch vor dem Sommer fallen. "Wir rechnen uns gute Chancen aus, aber fix ist noch nichts."

Porr kann auf eine lange Tradition zurückblicken: 1869 wurde die "Allgemeine österreichische Baugesellschaft" gegründet. Einer ihrer ersten Aufträge bestand im Ausbau der Pferdeeisenbahn von Linz nach Budweis. Die Gesellschaft fusionierte 1927 mit der 1908 gegründeten "A. Porr Betonbauunternehmung Gesellschaft mbH". Der neue Name "Allgemeine Baugesellschaft - A. Porr Aktiengesellschaft" sollte auf beide ursprünglichen Unternehmen verweisen. 2013 wurde der Firmenwortlaut in Porr AG geändert.