Wien. Die Zahl der Schlichtungsfälle bei der Telekom-Regulierungsbehörde RTR ist im Vorjahr stark gestiegen, die mit Abstand meisten Verfahren gab es mit "3". Auch heuer ist das chinesische Unternehmen führend bei Beschwerden. Insgesamt erwartet die RTR heuer einen Rückgang bei den Streitereien. Größtes Problem im Vorjahr waren Contentdienste - also um Beispiel Gewinnspiele ohne Gewinn.

Die Zahl der Verfahren erhöhte sich 2014 von 2.859 auf 3.879, alleine 1.400 Fälle entfielen auf Contentdienste. "Contentdienste sind nur bei mobilen Anschlüssen möglich. Sie werden direkt über die Telefon- oder Internetrechnung des Betreibers abgerechnet, indem man durch einfaches Auswählen von Schaltflächen - oftmals unbemerkt - den Bezahlvorgang auslöst", beschreibt RTR-Geschäftsführer Johannes Gungl die Masche.

Infrastrukturminister Alois Stöger (SPÖ) hat am Montag gesetzliche Änderungen bei Contentdiensten bis zum Herbst angekündigt. "Neben spezifischen Schutzmaßnahmen wie einem Kostenlimit soll die Transparenz für die Verbraucher auch durch die klare und einheitliche Ausweisung der Contentdienste auf der Rechnung erhöht werden", so der Minister.

Die RTR hat exemplarisch Beispiele angeführt, wie leicht Nutzer in die "Content-Falle" tappen. So habe ein Mann seinem Sohn sein Handy zum Spielen gegeben - der Sohn entdeckte aber schnell, dass man Zusatzpakete leicht herunterladen konnte. Allerdings waren diese kostenpflichtig, es trudelte eine Rechnung über 1.500 Euro ein. Wiederum ein anderer Handynutzer nahm an einem Gewinnspiel teil, das ihm vermeintlich ein Bekannter empfohlen hatte. Allerdings war das Konto des Bekannten gehackt und die Empfehlung ein Schmäh.

Einigungsquote gestiegen

Erfreulich war im Vorjahr der Rückgang beim durchschnittlichen Streitwert von 654 auf 433 Euro, die Einigungsquote stieg im Jahresvergleich von 54 auf 69 Prozent. Gungl betonte am Montag vor Journalisten die steigende Kulanzbereitschaft der Netzbetreiber. Hier habe sich "3" (Drei, Hutchison) deutlich verbessert. Die Einigungsquote von "3" sei auf 77 Prozent gestiegen. Die Probleme bei "3" hätten sich hauptsächlich auf die Netzqualität und das Service im Callcenter bezogen, dies sei wohl auch eine Folge der Übernahme von Orange durch "3", so die Behörde.

Überrascht zeigte sich die RTR von den relativ geringen Beschwerden wegen langsamer Datengeschwindigkeiten, obwohl in den "bis zu"-Angaben beim Vertragsabschluss weit höhere Werte zugesagt werden. Man gehe aber davon aus, dass die Zahl der Beanstandungen durch Dienste wie den Videostreaminganbieter Netflix steigen werden. Wer testen will wie schnell der eigene Anschluss ist, für den hat die RTR eine allgemein zugänglichen Plattform zur Verfügung gestellt (www.netztest.at).