Wien. Der Luftraum über Österreich wird von der Austro Control - Österreichische Gesellschaft für Zivilluftfahrt mit beschränkter Haftung - überwacht. Im vergangenen Jahr stieg die Zahl der Flugbewegungen um 3,4 Prozent auf 1,16 Millionen, womit wieder das Niveau von vor der Krise erreicht wurde. Die Gesamtzahl der Landungen an den sechs österreichischen Flughäfen blieb mit minus 0,4 Prozent auf 198.700 praktisch unverändert. Während Wien im Vergleich zum Vorjahr stabil blieb, wurden in Linz, Graz und Klagenfurt Verkehrsrückgänge verzeichnet. Leichtes Verkehrswachstum gab es in Innsbruck und Salzburg.

Weiter hohe Pensionsrückstellungen


Die Bilanz der Austro Control über das Jahr 2014 fiel positiv aus: Der Umsatz der Flugsicherung legte von 253,4 Millionen auf 272 Millionen Euro (plus 7,3 Prozent) zu. Die Austro Control profitierte davon, dass mehr Urlauber Richtung Türkei und Griechenland unterwegs waren und wegen der Ukraine-Krise einige Flüge über Österreich umgelenkt wurden.

Nach einem Verlust von 7,8 Millionen Euro wegen hoher Pensionsrückstellungen im Jahr 2013 verzeichnete das ehemalige Bundesamt für Zivilluftfahrt (BAZ) - es wurde mit 1. Jänner 1994 aus dem Budget ausgegliedert und in Austro Control GmbH umgetauft - im Vorjahr unter dem Strich einen Gewinn von 1,8 Millionen Euro. Das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit (EGT) kletterte von 14,9 Millionen auf 27,7 Millionen Euro, gab Austro-Control-Chef Heinz Sommerbauer am Mittwoch in der Bilanzpressekonferenz bekannt. Daraus wurden - wie im Jahr davor - 18,9 Millionen Euro für Pensionen und Abfertigungen rückgestellt.

Die Gebühren der Austro Control wurden in den Jahren 2012 bis 2014 jährlich um 2,6 Prozent gesenkt. Pro Flug entstanden im Durchschnitt nur 0,23 Minuten Verspätung, was genau der Vorgabe der EU-Kommission entsprach. 2014 alleine gab es überhaupt bei Flügen über Österreich nur drei Sekunden Verspätung - in ganz Europa waren es 0,61 Minuten.

Derzeit laufen Verhandlungen mit der EU-Kommission für die Periode 2015 bis 2019. Es zeichnet sich ab, dass eine Gebührensenkung um jährlich 3,3 Prozent und eine Verspätung von maximal 0,21 Minuten pro Flug vereinbart werden. Flugzeuge sollen dann von der idealen Flugroute nur mehr um 1,81 Prozent abweichen. Bis 2019 soll die freie Wahl der Flugrouten voll implementiert sein, das werde den Fluglinien 15 Millionen Flugkilometer und 77 Millionen Euro Kosten ersparen und damit verbunden 173.000 Tonnen CO2 einsparen.

Bis Jahresende muss die Austro Control aus ihrer Zentrale in der Schnirchgasse im dritten Wiener Gemeindebezirk, in der 400 Mitarbeiter der Verwaltung beschäftigt sind, ausziehen. Das Gebäude ist am Ende seiner Lebenszeit angekommen und muss abgerissen werden.

Wie es mit dem Grundstück weitergeht, das der Austro Control gehört, werde im Herbst entschieden, sagte Firmenchef Sommerbauer. Das Gebiet sei grundsätzlich im städtebaulichen Leitbild für eine Bebauung mit Hochhäusern vorgesehen. Um die Widmung für ein Hochhaus zu bekommen, habe man einen Wettbewerb ausgeschrieben, eine Jury habe dafür ein Projekt gekürt. "Mit dem Siegerprojekt können wir erst einen Umwidmungsantrag stellen", so Sommerbauer.

Die Austro Control wird vor dem Jahresende für eine Übergangszeit in den IZD-Tower auf der Donauplatte übersiedeln. Ob sie je wieder an den aktuellen Standort zurückkehrt, sei völlig offen.

Ärztliche Schweigepflicht gegen Informationspflicht


Im Streit mit einigen Fliegerärzten, die die Flugtauglichkeit von Piloten, aber auch die Arbeitsfähigkeit von Lotsen prüfen, hofft Sommerbauer auf ein Machtwort aus Brüssel, um alle ärztlichen Informationen über Flugpersonal zu erhalten. Die Behörde verlangt unter Berufung auf eine EU-Verordnung die Übermittlung aller medizinischen Daten, die Mediziner berufen sich hingegen auf die ärztliche Schweigepflicht.