Wien. (ede) Wenn es um die Frage geht, wie die heimische Wirtschaft in Zukunft Geldmittel für Investitionen aufbringen wird, ist oft von alternativen Finanzierungsformen die Rede. Venture Capital, stille Beteiligungen, Crowdfunding & Co spielen hierzulande noch eine untergeordnete Rolle, nehmen aber an Wichtigkeit zu. Das Marketmind-Institut hat im Auftrag der Wirtschaftskammer rund 1800 Entscheidungsträger in österreichischen Unternehmen befragt. 6,6 Prozent von ihnen sagen, sie haben in den vergangenen drei Jahren von diesen Möglichkeiten Gebrauch gemacht. Künftig wollen dies 24 Prozent tun. Bei Firmen, deren Gründungsdatum in die Jahre zwischen 2011 und 2015 fällt, sind es 28 Prozent, bei den schon länger etablierten 22,3 Prozent.

Mehr Spielraum für die Finanzierung


"Für innovative Start-ups und KMU mit zukunftsweisenden Geschäftsideen stellt der Zugang zu Eigenkapital eine große Hürde dar. Das Alternativfinanzierungsgesetz (AltFG) ist vom Ergebnis her sehr brauchbar, weil man mehr Spielraum für die Finanzierung bekommt", sagt der Innovationsmanager und Chef der Crowdfunding-Plattform 1000x1000, Reinhard Willfort. "Noch wichtiger aber ist die Botschaft der österreichischen Regierung, dass das Thema Crowdfunding als Finanzierungsalternative zum Bankkredit erwünscht ist."

Gleichzeitig liefere die Crowd einen ersten Markttest, zum Beispiel für neue Produkte. Angesprochen auf das Anlegerrisiko sagt Willfort: "Natürlich gehört von Seiten der Geldgeber Risikobereitschaft dazu. Start-ups sind risikoreich und können leicht scheitern, dafür winken im Best Case auch höhere Erträge. Bei KMU mit zehn oder mehr Jahren Bestand und vielen Kunden ist das Risiko deutlich geringer."

Die großen Unternehmen, die schon lange auf dem Markt sind, haben laut Willfort derzeit ein ganz anderes Problem: "Denen kommen die Geschäftsmodelle abhanden." Viele von ihnen hätten die großen Innovationen in der Branche verschlafen und nach dem Erwachen bemerkt, dass kleinere und flexiblere Start-ups mit neuen Lösungen schneller waren. "Leiden schafft Innovation" sei der größte Treiber für Innovationen, aber "viele Unternehmen leiden noch nicht genug, um sich in Bewegung zu setzen. Ist der ’Speck‘ aus den fetten Jahren erst einmal weg, fehlt auch dort das Kapital für Innovationen."

Absandeln
war gestern


Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Leitl sieht Österreichs Unternehmen gut aufgestellt und ist überzeugt, dass sie in den internationalen Rankings wieder zurück an die Spitze gelangen können. Dazu bräuchte es aber Investitionsanreize, denn: "Wer nicht investiert, verliert an Wettbewerbsfähigkeit." Einer seiner Vorschläge: Statt Förderungen sollte der Staat mehr Garantien geben.