Wien/Waidhofen/Ybbs. (kle/apa) Eine niederösterreichische Traditionsfirma ist gerettet: Die Aktionäre des börsenotierten Büromöbelherstellers Bene haben am Montag in einer Sonderhauptversammlung grünes Licht für den Einstieg des Sanierers Erhard Grossnigg und des früheren ÖVP-Wirtschaftsministers Martin Bartenstein gegeben. Beide haben sich bereit erklärt, dem schwer maroden Unternehmen im Zuge einer für sie reservierten Kapitalerhöhung frisches Geld in Höhe von 18 Millionen Euro zuzuführen. Damit werden sie demnächst auch das Ruder bei Bene übernehmen.

Gemeinsam halten Grossnigg und Bartenstein künftig mehr als 90 Prozent der Anteile. Ihr Einstieg ist für Bene überlebensnotwendig, das Unternehmen wäre sonst in die Pleite geschlittert. Zuletzt hatte die bereits chronisch defizitäre Firma ein negatives Eigenkapital von 41 Millionen Euro.

Bartenstein im Aufsichtsrat


Alle bisherigen Aufsichtsratsmitglieder traten am Montag zurück. Neben Bartenstein wurden Peter Funder, Alexander Isola und Michael Schur neu in das vierköpfige Kontrollgremium gewählt, wie Bene in einer Aussendung weiter mitteilte.

Das Unternehmen, das seinen Sitz in Waidhofen/Ybbs (NÖ) hat, stand bisher im Besitz respektive Mitbesitz der Familie Bene. Der Einstieg Grossniggs und Bartensteins markiert nun das Ende einer 225-jährigen Ära.

Bene wurde 1790 als Tischlerei gegründet, seit den 1950er Jahren ist die Firma auf Büromöbel spezialisiert. 2006 ging das Unternehmen an die Börse. Im Streubesitz waren zuletzt 57,5 Prozent der Aktien, während 42,5 Prozent auf die Privatstiftung der Familie Bene entfielen (wobei diese Anteile seit 2013 als Sanierungsbeitrag an die Gläubigerbanken verpfändet sind).

Steil bergab ging es für Bene mit Beginn der Finanz- und Wirtschaftskrise im Jahr 2008. Von da an schrieb die Firma Verluste. 2012 tauschte der Aufsichtsrat den kompletten Vorstand aus. Bene holte den Sanierer Rudolf Payer. Er und sein Vorstandskollege Michael Feldt schlossen unrentable Standorte, bauten den Vertrieb um und kappten hunderte Jobs. Für die Schieflage des Unternehmens machten sie vor allem ein zu aggressives Wachstum verantwortlich. Von den Alt-Vorständen Frank Wiegmann und Wolfgang Neubert war indes wiederholt ein krisenbedingter Einbruch des Büromöbelmarktes als Ursache der Verluste genannt worden.

Aderlass beim Personal


Auch das abgelaufene Geschäftsjahr 2014/15 schloss Bene mit einem Verlust ab, wenngleich sich dieser von 28,6 auf 13,4 Millionen Euro halbierte, damit aber angesichts der Größe des Unternehmens (158,9 Millionen Euro Umsatz) immer noch recht hoch lag. Im April gab Bene bekannt, 127 Mitarbeiter beim AMS zur Kündigung angemeldet zu haben sowie international 29 Jobs zu streichen. Nach dem Abbau wird die Firma 850 Personen beschäftigen, davon 600 in Österreich. Beim Börsengang 2006 hatte Bene weltweit noch rund 1200 Mitarbeiter, davon 900 in Österreich.