Wien. (kle) Paukenschlag bei der Telekom Austria: Das einstige Monopolunternehmen braucht schon bald einen neuen Vorstandschef. In wenigen Wochen geht die Ära von Hannes Ametsreiter zu Ende. Per 31. Juli räumt der gebürtige Salzburger, der seit gut sechs Jahren an der Führungsspitze steht, vorzeitig das Feld. Vorzeitig deshalb, weil sein Vorstandsvertrag noch bis Ende 2016 gelaufen wäre - mit einer Verlängerungsoption bis 2018.

Ob Ametsreiter aus freien Stücken geht oder auf Druck des Telekom-Mehrheitsaktionärs América Móvil, blieb am Montag unklar. Zu den Gründen seines Ausscheidens machte die börsenotierte Telekom keine Angaben. Der heimische Marktführer teilte nur mit, Ametsreiter habe den Aufsichtsrat um eine einvernehmliche Auflösung seines Vertrages ersucht und das Gremium habe dem zugestimmt. Nach unbestätigten Gerüchten soll der 48-Jährige ein Jobangebot bekommen haben, das man nicht ablehnen könne.

ÖBIB hat Vorschlagsrecht

Mit der Nachfolge will sich der Telekom-Aufsichtsrat in einer Sondersitzung befassen. Voraussichtlicher Termin: 24. Juli. Sollte bis Ende Juli kein Nachfolger gefunden sein, würde Vizechef Alejandro Plater interimistisch die Aufgaben des Vorstandsvorsitzenden übernehmen, so ein Sprecher der Telekom. América Móvil hatte den Argentinier erst kürzlich als Chief Operating Officer installiert.

Bei der Neubesetzung des Telekom-Chefpostens hat die Staatsholding ÖBIB (vormals ÖIAG) das Recht, den Generaldirektor vorzuschlagen. Dieses Recht ist durch einen Syndikatsvertrag verbrieft, den sie als größte Minderheitsaktionärin (28,42 Prozent) 2014 mit América Móvil geschlossen hatte, bevor diese ihre Telekom-Anteile auf eine kontrollierende Mehrheit aufstockte. Seit vorigem Jahr hält hält das mexikanische Mobilfunkunternehmen des Milliardärs Carlos Slim 59,70 Prozent an der Telekom Austria.

Fast 20 Jahre im Konzern

Ametsreiter war fast 20 Jahre im Telekom-Konzern tätig, begonnen hatte der studierte Kommunikations- und Sportwissenschafter dort 1996 als Produktmanager bei der Mobilfunktochter Mobilkom Austria. Den Posten als Telekom-Chef hatte er im April 2009 von Boris Nemsic geerbt - damit aber auch mehrere Skandale (etwa eine Korruptionsaffäre rund um dubiose Aufträge an den Lobbyisten Peter Hochegger sowie einen Skandal um Kursmanipulationen aus dem Jahr 2004).

Ametsreiter ging aus diesen Affären unbeschadet hervor. Zuletzt musste er aber einen hohen Konzernverlust verantworten. Wegen teurer Abschreibungen in Bulgarien rutschte die Telekom 2014 mit minus 185,4 Millionen Euro tief in die roten Zahlen. Zuletzt lief es für den Konzern (23 Millionen Kunden) dank eines Sparprogrammes aber wieder besser.