Wien. (kill) Bestellungen über das Smartphone lösen zunehmend den Onlineeinkauf über PC und Laptop ab: Eine Million Österreicher hat von Mai 2014 bis April 2015 im Einzelhandel übers Handy bestellt, das ist ein Plus von 60 Prozent im Jahresabstand. Damit kaufen bereits mehr Österreicher über Smartphones ein, als bei Versandhäusern über Telefon oder Postkarte bestellen.

Die Ausgaben beim Smartphone-Einkauf sind um 40 Prozent auf 350 Millionen Euro gestiegen, wie eine Studie der KMU Forschung Austria im Auftrag des Handelsverbandes ergeben hat. Diese Summe entspricht fünf Prozent der Gesamtausgaben in Onlineshops, im Versandhandel und im Teleshopping, die von 6,9 auf 7,1 Milliarden Euro gestiegen sind. Am meisten Geld gaben die Österreicher dabei für Bekleidung, Elektro- und Elektronikgeräte sowie Bücher aus.

50- bis 59-Jährige bestellen zunehmend online


Rund 4,9 Millionen Österreich (ab 15 Jahren) kaufen in Onlineshops, im Versandhandel oder über Teleshopping ein. Den stärksten Anstieg gab es bei den 50- bis 59-Jährigen, die den Einkauf im Internet "zunehmend für sich entdecken", sagt Ernst Gittenberger von der KMU Forschung Austria.

14 Prozent der Österreicher haben im Erhebungszeitraum mit ihrem Smartphone online eingekauft, zehn Prozent über Tablet. Via Laptop bestellten 34 Prozent und via Desktop-PC 25 Prozent - Tendenz sinkend. Der Versandhändler Unito mit den Marken Otto, Universal und Quelle erwartet etwa, dass in zwei Jahren bereits 80 Prozent seines Umsatzes über Smartphones und Tablets generiert werden. "Nur einen Onlineshop zu haben bringt nichts, sondern kostet Geld. Händler sollten sich gleich auf einen optimierten Smartphone-Shop konzentrieren", sagt Unito-Geschäftsführer Harald Gutschi, Vizepräsident des Handelsverbandes. Derzeit arbeitet Unito daran, mithilfe optimierter Präsentation auf den kleineren Bildschirmen die Conversion Rate zu steigern: Derzeit bestellen vier Prozent der Smartphone-Nutzer, die den Onlineshop besuchen. Am Laptop sind es sechs Prozent.

"Ohne digitale Vernetzung haben Händler keine Zukunft"


Kleine Händler würden sich schwer tun, Investitionen in einen Online-Auftritt zu stemmen. Doch Gutschi ist überzeugt: "Händler ohne digitale Vernetzung haben keine Zukunft." Der heimische Handel werde in fünf Jahren ganz anders ausschauen, rechnet er mit weniger Kunden in Läden.

Jeder vierte Smartphone-Besitzer nutzt das Gerät laut Studie für einen Preisvergleich im Laden. "Der Preisvorteil ist aber nicht entscheidend für den Online-Einkauf", so Gutschi. Onlineshops würden vor allem mit großer Auswahl und Service punkten.

Gutschi betont, dass Einzelhandelsgeschäfte von einer Vernetzung mit dem Onlineshop profitieren: Indem sie etwa im Laden eine Produktauswahl präsentieren und das Produkt in der gewünschten Größe und Farbe am nächsten Tag zum Kunden nach Hause liefern.