Wien. Noch vor dem Wochenende haben sich die Gerüchte bestätigt: Hannes Ametsreiter, der - wie berichtet - Ende Juli seinen Chefposten bei der Telekom Austria vorzeitig räumt, wechselt im Herbst zum britischen Mobilfunk-Konzern Vodafone, einem Unternehmen mit umgerechnet 59 Milliarden Euro Jahresumsatz und 449 Millionen Kunden.

Der 48-jährige Manager nimmt dort Anfang Oktober im Chefsessel der Deutschland-Tochter Platz - als Nachfolger von Jens Schulte-Bockum. Außerdem soll Ametsreiter in den erweiterten Vorstand der Gruppe, das weltweite Executive Committee, berufen werden, wie Vodafone am Freitag in einer Aussendung mitteilte.

Für den gebürtigen Salzburger ist der Wechsel zu dem global tätigen Konzernriesen ein weiterer Sprung in seiner Karriere, die er bisher fast ausschließlich - 19 Jahre - bei der Telekom Austria zugebracht hat. Als Chef von Vodafone Deutschland ist Ametsreiter künftig für eine Konzerntochter verantwortlich, die rund 14.000 Mitarbeiter beschäftigt. Das Unternehmen ist mit 10,8 Milliarden Euro Jahresumsatz fast dreimal und mit seinen rund 45 Millionen Kunden doppelt so groß wie die mehrheitlich zur mexikanischen América-Móvil-Gruppe gehörende Telekom.

Vodafone und Telekom
sind Kooperationspartner

Dass Vodafone einen österreichischen Telekom-Manager an Bord holt, kommt nicht von ungefähr. Seit 2003 kooperieren die Briten mit der Telekom Austria im Mobilfunkgeschäft, und da vor allem beim Roaming. Ametsreiter, der viele Jahre auch für die Telekom-Mobilfunksparte tätig war, kennen sie jedenfalls schon lange.

Vodafone-Konzernchef Vittorio Colao streut ihm Rosen. Ametsreiter sei ein Manager mit großer Branchenerfahrung und Expertise auf den Gebieten Marketing und Markenführung, so der Italiener, der als CEO seit sieben Jahren an der Führungsspitze der börsennotierten Vodafone Group steht. Die Bestellung Ametsreiters will der Verwaltungsrat Ende Juni formell besiegeln.

Bei der Telekom Austria ist die Suche nach einem neuen Chef unterdessen angelaufen. Der ÖBIB (vormals ÖIAG) kommt dabei eine Schlüsselrolle zu. Die Staatsholding ist mit 28,4 Prozent an der Telekom beteiligt und hat gemäß dem mit América Móvil im Vorjahr geschlossenen Syndikatsvertrag das Recht, einen Kandidaten für den Posten des Generaldirektors vorzuschlagen.

Auf dieses Nominierungsrecht werde man keinesfalls verzichten, war am Freitag aus dem Umfeld der ÖBIB zu hören. Ob ein Headhunter engagiert werden soll, ist indes noch offen. Wer Ametsreiter an der Vorstandsspitze nachfolgen soll, wird jedenfalls zentrales Thema einer Aufsichtsratssitzung am 24. Juli sein. Grundsätzlich muss die ÖBIB ihren Vorschlag mit dem Syndikatspartner abklären, bevor das Kontrollgremium - dort hat América Móvil acht Vertreter, die ÖBIB zwei - entscheidet.

Machtdemonstration
der Mexikaner?

Sollte es bis Ende Juli keine Entscheidung geben, würde Vize Alejandro Plater interimistisch das Ruder bei der Telekom übernehmen. Plater, ein Argentinier, gilt als Vertrauter des mexikanischen Multimilliardärs Carlos Slim, dem die Telekom-Mutter América Móvil gehört. Medien hatten zuletzt spekuliert, dass die Bestellung des neuen Vorstandsvorsitzenden auf eine Machtdemonstration der Mexikaner hinauslaufen und Plater das Rennen machen könnte. In Kreisen der ÖBIB wird dieses Szenario jedoch als unwahrscheinlich zurückgewiesen.