Wien. (del) Heimische Betriebe haben im Vorjahr Güter in der Höhe von 128 Milliarden Euro exportiert. Rechnet man die Dienstleistungen hinzu, kommt man auf 180 Milliarden. Gegenüber 2013 ist das ein Plus von 1,8 Prozent. Für heuer erwartet die Wirtschaftskammer (WKO) einen weiteren Zuwachs von zwei Prozent; 2016 sollen es sogar fünf Prozent werden. Damit wäre die Handelsbilanz seit 2003 erstmals wieder ausgeglichen. Österreich verkauft also genauso viel ins Ausland, wie es von dort zukauft. Die Exportquote beträgt 53 Prozent.

Obwohl die Exporte gestiegen sind, hat Österreich insgesamt Anteile am Weltmarkt verloren. Der Anteil an den Weltexporten beträgt derzeit 0,87 Prozent. Im Vorkrisenjahr 2007 waren es noch 1,14 Prozent. "Wir verlieren an Wettbewerbsvorteilen", sagte Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Leitl am Dienstag vor Journalisten. Den Grund dafür ortet er abermals im heimischen Wirtschaftsumfeld und der anhaltenden Zurückhaltung bei Investitionen. Vor allem gegenüber Deutschland verliere Österreich weiter an Wettbewerbsfähigkeit, wie übrigens auch andere EU-Länder.

Im Vergleich zu Österreich seien dort die Lohn- und die Produktionskosten niedriger. Deutschland hat mit 215,3 Milliarden Euro im Vorjahr den mit Abstand größten Leistungsbilanzüberschuss weltweit erzielt. Damit bringt es allerdings kleinere, nicht so leistungsstarke und wettbewerbsfähige EU-Staaten unter Druck. Kritiker werfen Deutschland vor, das Lohnniveau künstlich zu drosseln, um so wettbewerbsfähiger auf dem Weltmarkt zu sein.

Exportplus in USA und China


Heimische Unternehmen betreiben Handel mit rund 220 Ländern. Etwa 80 Prozent der heimischen Exporte gehen in andere europäische Staaten, wobei hier der wichtigste Exportmarkt Deutschland bleibt. Das größte Wachstumspotenzial ortet die WKO aber in Übersee. In den Jahren 2000 bis 2014 sind die Exporte nach Amerika um 131 Prozent gestiegen. Nach China haben sich diese im gleichen Zeitraum fast verdoppelt. Österreich importiert allerdings mehr als doppelt so viel aus China, als es dorthin exportiert.

Vor allem seit der Krise in Russland und der Ukraine wenden sich heimische Betriebe vermehrt Asien und den USA zu. Mit der "go international"-Initiative ist die WKO seit Mitte 2013 mit heimischen Betrieben auf Imagetour im Ausland. 40 Prozent der rund 630 Veranstaltungen fanden in Übersee statt, erklärte der Chef der WKO-Außenwirtschaft, Walter Koren, im Rahmen des Exporttags am Mittwoch.

Nicht ganz so prächtig entwickelten sich der russische und der ukrainische Markt. Die Exporte nach Russland sind im Vorjahr um 25 Prozent eingebrochen; jene in die kriegsgebeutelte Ukraine um mehr als die Hälfte. Der starke Rubelverfall, der niedrige Ölpreis, die Sanktionen und damit die fallende Kaufkraft setzen Russland stark zu.

Griechenland problematisch


Die Aussichten für Griechenland sind ebenfalls wenig rosig. Derzeit betreiben 1000 heimische Betriebe Handel mit dem Euro-Land. 100 haben eine Niederlassung dort. Im Ö1-"Morgenjournal" beklagt die österreichische Unternehmerin Kerstin Tikalitis, die eine Technologiefirma in Athen führt, die derzeit unsichere Situation. Sollte sich die Lage nicht beruhigen und die Regierung die angekündigten Abgabenanhebungen umsetzen, denke sie an Abwanderung. "Ich schließe eine Restrukturierung nicht aus", sagte auch Koren. Damit meint er, dass auch andere Firmen Griechenland verlassen könnten.