Wien. (kle) Der Mehrheitseigentümer der Telekom Austria, der mexikanische Mobilfunkriese América Móvil, baut seine Macht beim heimischen Ex-Monopolisten aus. Mit 1. August übernimmt der gebürtige Argentinier Alejandro Plater das Ruder in der Vorstandsetage. Der neue Telekom-Chef gilt als enger Vertrauter des Multimilliardärs Carlos Slim, dem der América-Móvil-Konzern gehört.

Plater ist der erste nicht-österreichische Unternehmensboss in der Geschichte der Telekom Austria. Der 47-Jährige folgt auf Hannes Ametsreiter, der den Konzern Ende Juli verlässt, um im Herbst an die Führungsspitze von Vodafone Deutschland zu wechseln.

Dem Telekom-Vorstand gehört Plater, der auf eine langjährige internationale Karriere in der Telekombranche zurückblicken kann (unter anderem bei Ericsson), seit März dieses Jahres an, dort war der studierte Betriebswirt bisher für den technischen Bereich zuständig. Wie die Telekom vor dem Wochenende mitteilte, bleibt seine Vertragslaufzeit unverändert. Sie läuft bis März 2018 - mit einer Verlängerungsoption für zwei weitere Jahre.

Ab August wird das Vorstandsteam der Telekom allerdings nur noch zweiköpfig sein. Das hat der Aufsichtsrat am Freitag beschlossen. Nach dem Abgang Ametsreiters wird dem neuen Konzernvorstand neben Plater auch der bisherige Finanzchef Siegfried Mayrhofer angehören. "Wir haben damit eine klare und kostenbewusste Management-Struktur geschaffen", sagte Aufsichtsratspräsident Wolfgang Ruttenstorfer.

Staatsholding Öbib: "Gute
und pragmatische Lösung"


Zur Bestellung Platers zum neuen Vorstandschef hieß es seitens der Telekom, dass der Vorschlag dazu von den beiden Hauptaktionären gekommen sei - also von América Móvil, aber auch von der Staatsholding Öbib (vormals ÖIAG). Gemäß dem Syndikatsvertrag, den die Öbib mit den Mexikanern im Vorjahr geschlossen hat, hätte sie den neuen Generaldirektor alleine vorschlagen dürfen.

Jedenfalls sieht die Öbib in Plater eine "gute und pragmatische Lösung". Er und sein Vorstandskollege Mayrhofer hätten "das volle Vertrauen der Republik". Und: "Die Öbib behält auch weiterhin das Nominierungsrecht für den Chief Executive Officer der Gesellschaft und stellt den Aufsichtsratsvorsitzenden (mit dem ehemaligen OMV-Chef Ruttenstorfer, Anm.)." An der Telekom ist die staatliche Industrieholding mit 28,4 Prozent beteiligt.

Walter Hotz, Telekom-Betriebsratschef und auch Aufsichtsratsmitglied, sprach mit Blick auf Plater von "keiner schlechten Entscheidung".

Bei der Nachbesetzung dürfte es sich freilich um einen typisch österreichischen Kompromiss handeln. Während nun die mit einem Anteil von 57,9 Prozent dominierende América Móvil den eigentlich Österreich zustehenden Konzernchef bekommt, soll die Österreich-Tochter der Telekom aus der Telekom heraus nachbesetzt werden. Bis dato waren die beiden Chefposten in Personalunion ausgeübt worden.

Kommt eine weitere
Kapitalerhöhung?


Ob auch die von Medien zuletzt kolportierte Kapitalerhöhung von bis zu 2,5 Milliarden Euro, die die Mexikaner im Herbst angeblich durchführen wollen, am Freitag auf der Agenda des Telekom-Aufsichtsrats stand, war unklar. Informationen dazu gab es nach der Sitzung keine. Erst 2014 bekam die Telekom via Kapitalerhöhung eine Milliarde Euro zugeführt.