Bankchef Gasselsberger: "Bärendienst für Österreich." - © apa/Techt
Bankchef Gasselsberger: "Bärendienst für Österreich." - © apa/Techt

Wien/Linz. (kle/apa) Dass die Verfassungsrichter das Hypo-Sondergesetz, mit dem der Staat einen Teil der Hypo-Gläubiger "bluten" ließ, gekippt hat, ist für heimische Banker nicht überraschend gewesen. Oberbank-Chef Franz Gasselsberger etwa sprach am Mittwoch von einer "einzigartigen Blamage für Österreich".

Obwohl man schon beim Beschluss im Sommer 2014 gewusst habe, dass dieses Gesetz wahrscheinlich nicht halten würde, sei es umgesetzt worden, kritisierte der Linzer Banker. Sein Haus, das mit zehn Millionen Euro in Nachranganleihen der Hypo (nun Heta) investiert ist, hatte so wie andere in- und ausländische Gläubiger geklagt. Das Gesetz hatte Forderungen in Gesamthöhe von fast 1,7 Milliarden Euro für vollständig wertlos erklärt.

Laut Gasselsberger hat Österreichs Vorgangsweise zu enormer Irritation geführt. "Damit hat man Österreich einen Bärendienst erwiesen", sagte der Oberbank-Chef in der Halbjahrespressekonferenz. "Man kann mitten im Spiel die Spielregeln nicht ändern." In seinen Augen sollte das Urteil des Verfassungsgerichtshofes mit dazu beitragen, dass sich der Ruf Österreichs als verlässlicher Partner wieder stabilisiert. Gasselsberger fragt sich jedoch, ob verlorenes Vertrauen so schnell wieder zurückgewonnen werden kann.

Gewinnplus im Halbjahr


Ihr Hypo-Investment hat die Oberbank in der Bilanz bereits voll abgeschrieben. Mit dem VfGH-Urteil lebt die Forderung wieder auf, sie ist jetzt aber vom Heta-Schuldenmoratorium erfasst. Was das weitere Vorgehen der Oberbank betrifft, will sich Gasselsberger "alle Optionen offen halten".

Für das erste Halbjahr meldete die Oberbank am Mittwoch abermals einen Gewinnzuwachs. Unterm Strich stieg der Überschuss um fast 14 Prozent auf 83,7 Millionen Euro. Für September prüft die Bank eine weitere Kapitalerhöhung, die zweite binnen eines Jahres. Damit könnte ihr Eigenkapital heuer nach anderen, bereits erfolgten Maßnahmen um bis zu 250 Millionen Euro steigen. Das ließe die harte Kernkapitalquote auf 12,4 Prozent klettern, womit die Bank ihren Wachstumskurs in den kommenden Jahren uneingeschränkt fortsetzen könnte.