Wien. (apa/reu) Das laufende Sparprogramm und sinkende Vorsorgen für faule Kredite haben der Bawag im ersten Halbjahr zu einer deutlichen Gewinnsteigerung verholfen. Unter dem Strich stand ein Gewinn von 226,1 Millionen Euro, rund 29 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Damit sei die Bank auf Kurs, ihre Jahresziele für 2015 zu übertreffen, sagte Bankchef Byron Haynes. Bisher waren für heuer mehr als 400 Millionen Euro Nettogewinn angepeilt. Ein neuer Zielwert wurde bei der Präsentation der Halbjahreszahlen am Dienstag nicht genannt. Der Sparkurs wird fortgesetzt: Finanzvorstand Anas Abuzaakouk will "verschiedene operative und strategische Maßnahmen" zur weiteren Effizienzsteigerung in der zweiten Hälfte 2015 umsetzen, um dieses profitable Wachstum auch künftig erhalten zu können.

Bawag prüft Übernahmeziele
in Westeuropa


Was die Zukunft der Bank angeht, prüft der US-Finanzinvestor Cerberus als Mehrheitseigentümer noch immer sämtliche Optionen, sagte Abuzaakouk: "Es kann ein Verkauf sein, ein Zukauf oder eine Fusion." Auch ein Börsengang sei weiterhin möglich. "Für sie geht es darum, was am meisten Wert schafft. Und in diesem Prozess sind sie noch", sagte Abuzaakouk mit Blick auf die Eigentümer des Instituts. Cerberus hat die Bank 2007 gemeinsam mit anderen Investoren für 3,2 Milliarden Euro gekauft und hält nun noch 52 Prozent. Weitere 40 Prozent gehören dem US-Fonds Golden Tree.

Für eine ausgewählte Expansion ist Westeuropa Zielgebiet. Es gebe einige Zukaufsmöglichkeiten, die das Institut derzeit prüfe. Dabei sehe sich die Bawag vor allem in Westeuropa um, sagte Abuzaakouk. In die lang erwartete Konsolidierung am europäischen Bankenmarkt könnte damit zusätzlicher Schwung kommen. "Ich denke, wir werden in der zweiten Jahreshälfte etwas Bewegung sehen - zumindest aus unserer Perspektive", sagte Abuzaakouk. Zunächst seien am gesamten europäischen Markt jedoch hauptsächlich kleinere Deals zu erwarten. Details zu den Plänen der Bank nannte er nicht. Insidern zufolge hatte das Geldhaus vor einigen Monaten Interesse an der Deutsche-Bank-Tochter Postbank bekundet. Diese will ihre Tochter nach offiziellem Bekunden jedoch lieber an die Börse bringen, als sie an einen anderen Investor zu verkaufen. Die Bawag wollte sich am Dienstag nicht dazu äußern.

Per Ende Juni lag die harte Kernkapitalquote der Bawag bei 14,2 Prozent, nach 12,1 Prozent zum Jahresende. Das ist deutlich über dem Durchschnitt der größten österreichischen Banken. "Unsere Kapitalstärke erlaubt uns, in die Offensive zu gehen", sagte
Abuzaakouk.

Nach dem ab 2008 begonnenen und mittlerweile vollzogenen Ausstieg aus Osteuropa wird die Bawag nicht mehr in diesen Raum zurückkehren. Man sehe in einem Investment dort keinen kompetitiven Vorteil.

Malta-Bank wird an
kanadische MFC verkauft


Die Bawag ist außerdem dabei, mit ihren Beteiligungen aufzuräumen. Am Dienstag wurde der bevorstehende Verkauf der 2003 gegründeten Tochtergesellschaft in Malta an die kanadische Investment- und Handelsfirma MFC verlautbart. Das Closing des Deals soll im zweiten Halbjahr 2015 abgeschlossen werden. Die Bank hatte zuletzt keine strategische Bedeutung mehr. MFC mit Sitz in Vancouver und New York hat 2014 der Raiffeisen Bank International (RBI) das Handelshaus Elsner Trading abgekauft.

Erst vor kurzem hat die Bawag ihre (indirekt gehaltenen) Anteile von 2,18 Prozent an den österreichischen Lotterien an den Glücksspielkonzern Novomatic verkauft. Das Closing fand laut Bawag am 4. August statt. Mit den jüngsten Verkäufen nicht zum Kerngeschäft gehörender Beteiligungen sei der größte Teil der Assetverkäufe durch, hieß es.

Kein Kompromiss zu erwarten ist bis zu den Gemeinderatswahlen am 27. September im Streit um ein verlustreiches Spekulationsgeschäft zwischen der Stadt Linz und der Bawag.