Wien. (apa) Der Einstieg von Novomatic bei den Casinos Austria ist noch nicht fix, stellte die Chefin der Staatsholding Öbib, Martha Oberndorfer, am Mittwoch klar. Alle Eigentümer, die über Syndikate aneinander gebunden sind, könnten von ihren Aufgriffsrechten Gebrauch machen. Bis Ende September haben sie Zeit, die Novomatic zugesagten Anteile zum gleichen Preis zu kaufen.

"Die neue Eigentümerstruktur steht nicht fest, solange die Aufgriffsfrist nicht vorbei ist", so Oberndorfer. Ob der Staat sein Aufgriffsrecht wahrnehmen und die Casinos-Anteile von derzeit 33,2 Prozent aufstocken will, sagte die Öbib-Chefin nicht. "Wir sind ein Gesellschafter wie jeder andere." Im Fall eines sehr hohen Preises könnte es für den Staat überlegenswert sein, einen Teil seiner Aktien abzugeben.

Novomatic hat über den geplanten Einstieg bei den Casinos erst am Mittwoch mit der Bundeswettbewerbsbehörde (BWB) gesprochen. "Wir haben ein informelles Gespräch geführt. Es war sehr konstruktiv", sagte Novomatic-Anwalt Raoul Hoffer. Neben BWB-Chef Theodor Thanner sei auch der Bundeskartellanwalt dabei gewesen. Wie Oberndorfer verwies auch Hoffer darauf, dass Novomatic die Anteile noch nicht in der Tasche hat. "Bedingt durch Vorkaufsrechte."

Auch Brüssel spielt mit


Die Wettbewerbshüter wollen sich den Deal genau ansehen, wie Thanner bereits angekündigt hat. Die Behörden werden prüfen, ob Novomatic und die Casinos gemeinsam eine marktbeherrschende Stellung erlangen. Novomatic dürfte sich dafür starkmachen, das Automatenspiel in den Bundesländern getrennt von den VLT-Automatensalons sowie vom Spielbankenmarkt zu betrachten. Ein weiteres Argument könnte sein, dass das Zocken im Glücksspielgesetz ohnehin sehr streng geregelt und damit eingeschränkt sei.

Als wahrscheinlich gilt, dass die BWB den Deal unter Auflagen genehmigt. Denkbar wäre etwa, dass sich Novomatic von bestimmten Geschäftsbereichen, etwa Sportwetten, teils oder gänzlich verabschieden muss.

Auch Brüssel spielt eine Rolle. Ab einem gemeinsamen Umsatz von fünf Milliarden Euro - der bei Novomatic/Casinos überschritten wäre - muss der Einstieg bei der EU-Kommission angemeldet werden. Aber nur, wenn die Novomatic mehr als 50 Prozent an den Casinos hält. Wenn sich der Zusammenschluss vor allem in Österreich abspielt, kann die BWB versuchen, das Verfahren an sich zu ziehen und einen Verweisantrag stellen. Das hat die BWB auf jeden Fall vor, wie es heißt.