Wien. Bisher konnte sich die Österreichische Post AG auf ihr wachsendes Paketgeschäft verlassen, das das rückläufige Briefgeschäft ausglich. Doch nun bekommt die Post hierzulande massive Konkurrenz durch die Deutsche-Post-Tochter DHL. Diese will bis 2016 ein eigenes Paketnetz aufbauen die Nummer zwei am heimischen Paketmarkt werden.

Bisher lieferte die Deutsche Post in Deutschland bestellte Packerl bis zur Grenze, dort wurden sie von den Österreichern übernommen und zugestellt. Das erledigt die Deutsche Post nun selbst. "Start ist am 1. September. Nach einer Übergangsphase ist das Ziel, dass DHL ab Beginn 2016 selbst in Österreich zustellt", so Dunja Kuhlmann, Sprecherin der Deutsche Post DHL Group.

Ein Tag Lieferzeit


Online-Einkäufe aus Deutschland sollen durchschnittlich einen Tag nach dem Versand beim Empfänger in Österreich eintreffen, verspricht DHL. DHL Paket bezieht seine Unternehmenszentrale in der Clemens Holzmeister-Straße im 10. Wiener Gemeindebezirk. Von dort aus werde Österreich-Chef Günter Birnstingl in den kommenden Monaten den Aufbau des Netzwerks steuern. Dafür wird ein dreistelliger Millionenbetrag investiert, teilte das Unternehmen mit. In den Benelux-Ländern, Polen, der Tschechischen Republik und der Slowakei ist DHL Paket bereits aktiv.

DHL plant in Österreich eigene Paketshops und Packstationen, eine genaue Anzahl will Kuhlmann noch nicht nennen. In einem ersten Schritt will DHL bis Ende 2016 in Österreich 1000 neue Arbeitsplätze schaffen. Die Paketzusteller werden auf selbständiger Basis tätig sein, so Kuhlmann.

Rund 60 Prozent der hierzulande in Onlineshops wie Amazon und Zalando bestellten Pakete werden aus Deutschland geliefert. Für die teilstaatliche Österreichische Post AG, die zuletzt 67 Millionen Euro Dividende an den Staat ausgeschüttet hat, wackelt nun ein Garant für Umsatzwachstum. Postchef Georg Pölzl meinte in der Halbjahrespressekonferenz vor wenigen Tagen, auch die Deutsche Post habe bemerkt, dass Österreich eine "Paketsenke" sei.

"Höhere Margen bringt zwar das Briefgeschäft, aber der Wachstumsmarkt für Postgesellschaften ist das Paketgeschäft", sagt Post-Sprecher Michael Homola. Die Post will ihr Service weiter ausbauen und die im Juli gestartete Samstagszustellung von Paketen bis Jahresende auf die Ballungsräume ausdehnen, kündigt Homola an. Die derzeit 170 Abholstationen in Postfilialen werden bis Jahresende auf 200 und bis Ende 2016 auf 300 ausgebaut, die Zahl der Empfangsboxen in Wohnanlagen soll von 11.000 auf bis zu 20.000 Ende 2016 steigen.

Mehr Pakete durch Onlinehandel


Hinter der Post folgen am heimischen Paketmarkt DPD, GLS, UPS, Hermes, TNT und FedEx, die zunehmend auch an Private liefern. Denn während das Firmengeschäft schrumpft, sorgt der Onlinehandel dafür, dass die Anzahl der versendeten Pakete 2014 im Jahresvergleich um 1,5 Prozent auf 151 Millionen gestiegen ist, heißt es im Branchenradar von Kreutzer Fischer & Partner. Davon entfielen 54,5 Millionen Packerl auf Bestellungen in Onlineshops, Katalogen oder per Teleshopping.

Fast 10 Millionen Pakete waren Retouren. Ob von DHL zugestellte Pakete künftig auch bei DHL retourniert werden müssen, sei vom Versender abhängig, so Kuhlmann. Für kostenlose Retouren braucht es laut Homola einen Vertrag mit dem Händler.