Wien. (kill) Der gelbe Zettel im Briefkasten ist ein Ärgernis - rund jeder zweite Online-Käufer findet es anstrengend, wenn er Pakete von der Post oder der Abholstation abholen muss, wie eine Studie der KMU Forschung Austria ergeben hat. Für die Onlinehändler ist eine rasche Lieferung bares Geld wert: "Jeder Tag, den eine Bestellung später zugestellt wird, ist ein Schaden für uns", sagt Harald Gutschi, Sprecher der Geschäftsführung des Versandhändlers Unito/Otto-Gruppe in Österreich mit Marken wie Otto, Universal und Quelle. "Dauert die Zustellung mehr als zwei Tage, steigt die Retouren- und die Annahmeverweigerungsquote. Dann beginnen Kunden, sich auch anderweitig umzuschauen und einzukaufen."

Durch die zunehmenden Bestellungen im Onlinehandel "rollt eine gigantische Packerflut auf die österreichischen Haushalte zu", sagt Gutschi. Das Rennen um die Internetkunden wird auf der letzten Meile entschieden, also bei der Zustellung, sind Manager von Unito, Post und Unimarkt überzeugt. Gemeinsam mit der Post AG tüftelt man an zusätzlichen Logistiklösungen, damit das Packerl schneller zum Empfänger kommt. So sollen Pakete bis Jahresende in Ballungszentren auch am Samstag zugestellt werden, kündigt Post-Vorstand Peter Umundum an. Mit dem neuen Angebot einer Lieferung am Wunschtag können Paket-Empfänger die Lieferung um bis zu fünf Tage nach hinten verschieben - auf einen Tag, wenn sie zuhause sind. Mit Services wie diesem will sich der Marktführer Post auch gegen die zunehmende Konkurrenz stemmen. Ab 1. September stellt der bisherige Post-Partner Deutsche Post mit seiner Tochter DHL Packerl in Österreich selbst zu.

Die Zustellung am gleichen Tag (Same Day Delivery) bietet die Österreichische Post AG seit April in Kooperation mit dem oberösterreichischen Lebensmittelhändler Pfeiffer (Unimarkt, Zielpunkt) in Linz an, österreichweit wird am nächsten Tag zugestellt. Geliefert werden die Produkte in wiederverwendbaren Kühlboxen. Bald sollen auch tiefgekühlte Lebensmittel online bestellt werden können, kündigt Pfeiffer-Geschäftsführer Markus Böhm an.

80.000 Jobs im Handel wackeln durch Onlinehandel-Boom

Die zunehmenden Online-Bestellungen werden besonders in abgelegenen Geschäftslagen in Einkaufsstraßen ihre Spuren hinterlassen, erwartet. Dort werden die Geschäfte dramatisch an Umsatz verlieren und zahlreiche Läden werden schließen, prognostiziert Gutschi.

Handelsverband-Geschäftsführer Rainer Will sieht 80.000 der 326.100 Arbeitsplätze im österreichischen Handel vom zunehmenden Interneteinkauf betroffen: "Es werden nicht alle wegfallen, aber die Arbeitsplätze werden sich verändern müssen", so Will. Im Verkauf werde die Zahl der Jobs schrumpfen, in der Logistik werden mehr Mitarbeiter benötigt.