Wien. (apa/red) Knalleffekt zum Auftakt der Herbstlohnrunde: Eigentlich hätten am Donnerstag Arbeitgeber und Arbeitnehmer der Maschinen- und Metallwarenindustrie (120.000 Beschäftigte) in sogenannten wirtschaftspolitischen Gesprächen ihre Standpunkte präsentieren sollen - herausgekommen ist aber ein Eklat. Laut Gewerkschaften hatte der Industriefachverband FMMI eine "ungeheuerliche und absurde" Forderung gestellt, nun werde es Kampfmaßnahmen geben.

Der FMMI teilte mit, er habe die Gespräche unterbrochen, da der Industrie eine "seriöse Entscheidungsbasis für einen KV-Abschluss fehlt". "Sollte etwa die als vereinbart kolportierte sechste Urlaubswoche tatsächlich ausgeweitet werden, hätten die bereits schwer unter Druck geratenen Betriebe der Branche beträchtliche Mehrkosten zu stemmen. (...) Der Fachverband der Maschinen- und Metallwarenindustrie verlangt daher von den Regierungsparteien und den Gewerkschaften Klarheit zu den Rahmenbedingungen, ehe die KV-Verhandlungen weitergehen können", so der Geschäftsführer des FMMI, Berndt-Thomas Krafft, in einer Aussendung.

Betriebsrätekonferenz
am kommenden Dienstag

Rainer Wimmer, Chefverhandler der Produktionsgewerkschaft Pro-Ge und Industriesprecher der SPÖ, reagierte empört: "Die Arbeitnehmer sollen in Geiselhaft genommen werden, das ist absurd. So was habe ich noch nie erlebt. Die Menschen brauchen die Lohn- und Gehaltserhöhung." Sogar die anderen Fachverbände in der Wirtschaftskammer würden sich für das Vorgehen des FMMI genieren.

Die Gewerkschaften Pro-Ge und die Gewerkschaft der Privatangestellten (GPA) werden nun am kommenden Dienstag (29. September) eine Betriebsrätekonferenz abhalten, also die erste Phase von Kampfmaßnahmen einleiten. Die nächste Stufe wären wohl Betriebsversammlungen in den Industriebetrieben des FMMI. Auch in den Jahren zuvor gab es immer wieder Betriebsrätekonferenzen bis hin zum Streik, allerdings zeigt ein Blick ins Archiv, dass erst einmal im vergangenen Jahrzehnt gleich zu Beginn gestritten wurde - damals ging es allerdings nur um die Sitzordnung.

Der Eklat erfolgte am Donnerstagnachmittag. Zuvor hatten die Arbeitnehmervertreter der Arbeitgeberseite am Vormittag ihre Forderungen für den Kollektivvertrag 2016 überreicht. Wimmer sagte nach der Übergabe, dass am Ende der Verhandlungen ein "außergewöhnliches Lohnplus" stehen müsse. Außerdem fordern die Gewerkschaften die Möglichkeit einer Freizeitoption sowie eine generelle sechste Urlaubswoche nach 25 Arbeitsjahren.

Arbeitgeber sprechen von
schwieriger Lage in Branche

Indes zeichnen die Industrievertreter ein düsteres Bild von der wirtschaftlichen Lage ihrer Branche. Christian Knill, Obmann des FMMI (Fachverband der Maschinen- und Metallwarenindustrie), betonte am Donnerstag, dass ein Drittel der Branche Verluste schreibe und in den vergangenen eineinhalb Jahren 3500 Jobs abgebaut werden mussten. Belastend wirkten auch die Sanktionen gegen Russland und die jüngsten Turbulenzen rund um VW, da Österreich ein wichtiger Autozulieferer sei.

Der FMMI ist der größte der insgesamt sechs Fachverbände der Metallindustrie und macht als solcher den Anfang bei den KV-Verhandlungen. Ein dortiger Abschluss ist richtungsweisend für die anderen Verbände. Im Vorjahr erhielten die insgesamt 180.000 Beschäftigen der Metallindustrie 2,1 Prozent mehr Lohn und Gehalt. Dieses Plus lag über der Inflationsrate von 1,7 Prozent. Heuer beträgt die durchschnittliche Teuerung der vergangenen zwölf Monate 1,2 Prozent. Ein KV-Abschluss darunter kommt für die Gewerkschaften nicht infrage.