Wien/Mailand. (kle) Die Mitarbeiter der zur italienischen Unicredit gehörenden Bank Austria sind geschockt. Für den Fall eines Verkaufs der Privatkundensparte haben sie nun Widerstand angekündigt. "Sollte es zu einem derart massiven Schritt kommen, werden wir das nicht kampflos akzeptieren", sagte Zentralbetriebsratschef Adolf Lehner der Tageszeitung "Der Standard".

Der Betriebsratsfonds hat noch immer Namensaktien der Bank in seinem Besitz. Zusammen mit der der Gemeinde Wien nahestehenden Privatstiftung zur Verwaltung von Anteilsrechten (AVZ) hält die Belegschaftsvertretung zwar nur rund 0,004 Prozent an der Bank, diese "Golden Shares" verbriefen jedoch wichtige Rechte - darunter auch ein Einspruchsrecht bei einem allfälligen Verkauf von Geschäftssparten. Wobei dieses Veto allerdings nicht gilt, wenn etwa die Kompetenz für das Osteuropa-Geschäft von Wien nach Mailand zur Unicredit-Zentrale verlagert werden sollte. Wie berichtet, könnte diese Kompetenz verloren gehen, weil der Regionen-Vertrag, der diese Funktion bisher festgeschrieben hat, im Frühjahr 2016 ausläuft.

An HVB hält Unicredit fest

Dem "Standard" zufolge drehen sich die Gespräche zwischen der Unicredit und dem US-amerikanischen Bawag-Hauptaktionär Cerberus vor allem um die unkündbaren Mitarbeiter. "Der - angebliche - Plan der Bawag-Aktionäre, sollten sie die unkündbaren Mitarbeiter der Bank Austria übernehmen: ein kräftiger Preisnachlass, wenn nicht gar eine Mitgift vom Verkäufer", schreibt die Zeitung. Der Unicredit soll jedenfalls ein Preis von rund 800 Millionen Euro für das Kundengeschäft ihrer Wiener Tochter vorschweben. Die Bawag schweigt zu jüngsten Medienberichten. Die frühere Gewerkschaftsbank hatte im August jedoch erklärt, dass sie neben anderen Optionen auch Akquisitionen prüfe.

Anders als in Österreich gibt es in Deutschland keine Anzeichen dafür, dass sich die Unicredit vom dortigen Geschäft mit Privatkunden sowie kleineren und mittleren Firmen trennen will. Für die Hypovereinsbank (HVB), die frühere Mutter und jetzige Schwesterbank der Bank Austria, gebe es keine Pläne bezüglich nennenswerter Änderungen an der Struktur oder eines Verkaufs von Teilen des Geschäfts, wie Reuters unter Berufung auf zwei Personen berichtet, die mit der geplanten Umstrukturierung der Unicredit-Gruppe vertraut sind.

Unicredit-Boss Federico Ghizzoni, der bei der Bank Austria einst Osteuropa-Vorstand und Vizechef war, arbeitet derzeit ja an einer Revision seiner Strategie für die gesamte Gruppe. Ergebnisse werden in der ersten November-Hälfte erwartet. Insgesamt stehen dabei nach früheren Informationen von Insidern zirka 10.000 Arbeitsplätze zur Disposition.

HVB vor weiterem Jobabbau

Laut Reuters sollen bei der HVB in der Verwaltung gut 1000 Jobs wegfallen. Die Bank hatte zuvor bereits 1500 Stellen in ihrem Filialnetz abgebaut, das um 234 auf 341 Zweigstellen verkleinert wird. Dies sollte das Privatkundengeschäft in Deutschland rentabler machen. Auch deshalb sei es nun beim weiteren Umbau der Unicredit-Gruppe nicht in Gefahr.