Wien. (kill/apa) Nach jahrelanger Blockade haben die Metaller-Gewerkschafter flexiblere Arbeitszeiten akzeptiert, die sie zuvor als "Kürzung der Überstundenzuschläge durch die Hintertür" vehement abgelehnt haben. Mehr als 24 Stunden - ein neuer Rekord - dauerten die Kollektivvertrags-Verhandlungen, bis sich die Sozialpartner am Mittwoch gegen Mittag auf ein neues Arbeitszeitkonto in der Maschinen- und Metallwarenindustrie einigten.

Die Mindest- und Ist-Löhne und Gehälter sowie Lehrlingsentschädigungen steigen ab 1. November um 1,5 Prozent. Auch wenn das Plus geringer als in den vergangenen fünf Jahren ausfällt - bei einer Inflationsrate von 1,1 Prozent als Basis steigen die Reallöhne für die 120.000 Beschäftigten in der Maschinen- und Metallwarenindustrie. Neben flexibleren Arbeitszeiten - eine Forderung der Unternehmen - wurde eine Freizeitoption - ein Wunsch der Gewerkschafter - vereinbart.

Experte: "Recht vernünftiger Abschluss für Beschäftigte"


"Ein recht vernünftiger Abschluss für die Beschäftigen, der die Richtschnur für andere Branchen ist", beurteilt Helmut Hofer, Arbeitsmarktexperte am Institut für Höhere Studien (IHS), die erste Einigung in der Herbstlohnrunde: In Zeiten von schwacher Konjunktur und Produktivität würden die Löhne real steigen, zudem stärke die Steuerreform ab 2016 die Kaufkraft der Beschäftigten, weil ihnen netto mehr bleibt.

"Es hat sich ausgezahlt", so der KV-Chefverhandler der Gewerkschaft, Rainer Wimmer (Pro-Ge), über das Ergebnis der Kollektivvertrags-Verhandlungen. Für die Arbeitgeberseite ist das Resultat trotz der "schwierigen Marktlage gerade noch vertretbar", so Chefverhandler Christian Knill.

Als positiv wertet IHS-Experte Hofer, dass die Arbeitszeitflexibilisierung "endlich" geregelt wird. Das neue dreistufige Arbeitszeitmodell mit einem Zeitkonto inklusive Zeitzuschlägen sei "ein Modell, das der Realität angepasst wurde", sagte Wimmer. Man sei "sehr froh" über die Einigung, ein einfacheres Model wäre aber noch besser gewesen, sagte Knill. Mit dem neuen Arbeitszeitmodell könnten die Unternehmen "Spitzen oder Unterauslastung besser abdecken" und "Schwankungen besser ausgleichen". Erstmals sei dadurch innerhalb eines gewissen Rahmens eine 45-Stunden-Woche ohne Zeitzuschlag möglich.

Für das neue Arbeitszeitkonto braucht es eine Betriebsvereinbarung. Auf dem Arbeitszeitkonto können Minus- und Überstunden für ein Jahr angesammelt werden, maximal 167 Überstunden sind vorgesehen. Bis zur 60. Stunde gibt es keine Zuschläge, von der 61. bis zur 100. Stunde beträgt der Zuschlag zehn Prozent und von der 101. bis zur 167. Stunde 20 Prozent. Der Durchrechnungszeitraum beträgt ein Kalenderjahr. Bis zu 40 Stunden können in das nächste Jahr übertragen werden. Alle anderen Stunden des Zeitkontos müssen entweder konsumiert oder ausbezahlt werden, heißt es von der Gewerkschaft. Die Arbeitgeberseite wollte Details noch nicht kommentieren, weil noch nicht alles fixiert ist.