Wien. (kle) Massive Abschreibungen in Osteuropa bescherten der Erste Group noch im Vorjahr Verluste in Milliardenhöhe. Nun aber scheint es für die börsennotierte Wiener Großbank wieder rund zu laufen. In den ersten drei Quartalen hat die Erste unter dem Strich einen Gewinn von gut 764 Millionen Euro eingefahren, wie sie am Freitag mitteilte. Zudem kündigte Bankchef Andreas Treichl für heuer eine Dividende von 40 bis 50 Cent je Aktie an. Für das Rekordverlustjahr 2014 waren die Aktionäre leer ausgegangen.

An der Börse kamen die Nachrichten gut an. In der Spitze legte die Erste-Aktie am letzten Tag der Handelswoche um mehr als zehn Prozent auf 28,535 Euro zu.

Was den Investoren offensichtlich ebenfalls gefiel: Für Problemkredite wird das Finanzinstitut im Gesamtjahr weniger Vorsorgen bilden müssen als noch im Sommer erwartet. Treichl rechnet jetzt mit Risikovorsorgen von 750 bis 950 Millionen Euro, bisher lag seine Erwartung bei 0,9 bis 1,1 Milliarden Euro. Per Ende September belief sich die Quote der notleidenden Kredite auf 7,4 Prozent. Nach Angaben der Bank ist dies der niedrigste Wert seit fünf Jahren.

Einen Wermutstropfen gibt es trotzdem. In Kroatien hat die Erste Group hohe Kosten für die von der Politik geplante Zwangskonvertierung von Franken-Krediten zu verdauen. Die Rede ist von einer Einmalbelastung von fast 145 Millionen Euro. Das war auch der Grund, warum das Kroatien-Segment in den ersten drei Quartalen mit einem Minus von 54 Millionen Euro in die Verlustzone kippte. Einen Verlust von 47 Millionen Euro gab es aufgrund der Bankensteuer auch in Ungarn. Indes lieferten alle anderen Länder - neben Österreich vor allem Tschechien, die Slowakei und Rumänien - positive Ergebnisbeiträge.

Keine Zukäufe in Österreich


Für das kommende Jahr rechnet Treichl mit einer nach wie vor soliden Entwicklung der Wirtschaft in Osteuropa. Angepeilt wird eine weitere Verbesserung der Profitabilität. Konkret ist eine Eigenkapitalrendite von zehn bis elf Prozent das Ziel für 2016.

Zukäufe von Banken oder Bankteilen in Österreich kommen für die Erste indes nicht infrage. Die zuletzt heiß diskutierte Bankenkonsolidierung am hiesigen Markt war am Freitag auch bei internationalen Analysten Thema im Zuge einer Telefonkonferenz des Erste-Vorstands. Dieser betonte, weder an einem Kauf der Bawag (siehe nebenstehenden Artikel) noch an einem Kauf des Privatkundengeschäfts der Bank Austria interessiert zu sein. Sehr wohl aber rechnet sich die Erste Chancen aus, von Banken - sofern sie zum Verkauf stehen - Kunden und Bankmitarbeiter zu bekommen.

Per Ende September hatte die Erste eine harte Kernkapitalquote von 11,6 Prozent. Zum Jahresende 2014 lag diese bei 10,6 Prozent.