Wien. Die Raiffeisen Bank International (RBI) rückt nach einem Gewinn im dritten Quartal überraschenderweise von ihrer Verlustprognose für das Gesamtjahr ab: Für 2015 erwartet die Bank "aus derzeitiger Sicht ein leicht positives Konzernergebnis", wie RBI-Chef Karl Sevelda in der Quartalsnachricht schreibt. Der Grund: Ein Großteil der bisher mit 550 Millionen Euro bezifferten Restrukturierungskosten wird erst nach dem heurigen Jahr anfallen. Bis Ende September beliefen sich die Restrukturierungskosten auf lediglich 24 Millionen Euro, im Gesamtjahr 2015 sollen es etwa 100 Millionen sein. Auch das Geschäft sei bisher besser gelaufen als erwartet, hieß es.

Wegen der Kosten des zu Jahresbeginn selbst auferlegten Schrumpfkurses mit Rückzug aus einigen Märkten hatte der Vorstand für das Geschäftsjahr 2015 wieder rote Zahlen für möglich gehalten. 2014 betrug der Nettoverlust aufgrund teurer Abschreibungen auf Osttöchter 493 Millionen Euro.

Bank überraschte mit
Gewinn im dritten Quartal


Zu den Restrukturierungskosten zählen Redimensionierungen einzelner Geschäftsfelder bzw. Verkäufe von Konzernaktiva. Dass es an einem schleppenden Fortgang liege, dass die Kosten für Umstrukturierungen heuer nicht so sehr ins Gewicht fallen, will man in der Bank nicht sagen. Bis auf Verzögerungen beim Verkauf der Polbank liege man mit den restlichen Vorhaben ganz gut im Plan, hieß es. In Asien werde redimensioniert, für das USA-Geschäft seien Verkaufsverhandlungen weit fortgeschritten, ebenso für die Slowenien-Bank. In Russland und der Ukraine wird das Geschäft gekürzt, in Ungarn ist der Filialabbau fertig.

Für das dritte Quartal meldete die RBI ein Konzernergebnis von 90 Millionen Euro. Das liegt zwar 56 Prozent unter dem Wert im zweiten Quartal (204 Millionen Euro). Die meisten Analysten hatten aber einen Verlust erwartet. Die RBI-Aktien legten am Donnerstag zwischenzeitlich um mehr als vier Prozent auf 14,95 Euro zu.

In den ersten neun Monaten stieg der Nettogewinn im Konzern im Jahresabstand von 225 auf 378 Milionen Euro. Die Kreditrisikokosten sind im dritten Quartal deutlich gesunken, für das vierte Quartal wird aber wieder ein höheres Niveau erwartet. Insgesamt will die Bank heuer mit weniger Vorsorgen auskommen als 2014 (1,7 Milliarden Euro).

Zwangsumwandlung von Frankenkrediten in Kroatien


Für Lasten aus dem Zwangsumtausch von Frankenkrediten in Kroatien mussten im dritten Quartal aber 75 Millionen Euro rückgestellt werden. Die Kroatien-Bank schrieb im dritten Quartal 48 Millionen Euro Verlust.

Trotz des schwierigen Umfelds in Russland schrieb die RBI-Tochter dort in den ersten neun Monaten 253 Millionen Euro Gewinn nach Steuern. Im Oktober hat sie ihr Pensionsfondsgeschäft verkauft, was im vierten Quartal einen einmaligen Gewinn von 87 Millionen Euro fließen lässt. Die Ukraine-Tochterbank hat unterm Strich bis September ihren Verlust von 138 auf 55 Millionen Euro reduziert. Das Kreditvolumen in der Tochter ist seit Jahresbeginn um 30 Prozent gefallen, hier machen die faulen Kredite mehr als die Hälfte des Volumens aus. Einen kleinen Verlust schrieb auch die Slowenien-Tochter der RBI. Rote Zahlen gibt es zudem weiter aus Asien.

Der Firmenwert der zum Verkauf anstehenden polnischen Tochter Polbank (96 Millionen Euro) wurde ganz abgeschrieben.

Die durchschnittliche Anzahl der Mitarbeiter (in Vollzeitäquivalenten) sank im Jahresabstand um 3060 Personen auf 54.019. Die größten Rückgänge gab es in der Ukraine, wo alleine 1690 Mitarbeiter abgebaut wurden. Dahinter folgen Polen, Russland,Ungarn und Bulgarien.