New York/Dublin. (red) Die Hochzeit des Potenzmittel-Riesen mit dem für sein Anti-Faltenmittel Botox bekannten Konzern ist fixiert: Der Viagra-Konzern Pfizer und der Nervengift-Hersteller Allergan schließen sich zum größten Pharmakonzern der Welt zusammen. Das Volumen der Transaktion liege bei rund 160 Milliarden US-Dollar, wie die beiden Konzerne am Montag gemeinsam mitteilten.

In der Wirtschaftswelt ist dies ein Fest der Superlative: Es ist die bisher größte Fusion des Jahres 2015, der größte Zusammenschluss der Pharma-Industrie aller Zeiten und bringt den weltgrößten Arzneimittelhersteller hervor. Kritik dürfte die Liaison in der Politik auslösen, weil Pfizer seinen Konzernsitz ins steuerfreundliche Irland verlagern will.

Für Pfizer-Chef Ian Read geht mit der Zustimmung des Verwaltungsrats sein lange verfolgtes Ziel in Erfüllung, den Konzern formal außerhalb der USA anzusiedeln. Die Steuern sind in Irland, wo Allergan seinen Sitz hat, deutlich niedriger. Allergan selbst war erst vor wenigen Monaten aus der 66 Milliarden Dollar schweren Übernahme des gleichnamigen US-Konzerns durch den irischen Konkurrenten Actavis entstanden, der sich danach in Allergan umbenannte.

Der Kleine schluckt den Großen


Um steuerliche Vorteile zu sichern, ist die Transaktion so gestaltet, dass der kleinere Konzern Allergan mit Firmensitz in Irland formell den größeren Konzern aus New York kauft.

Der heute 62-jährige Read hatte es schon aus denselben Gründen auf die britisch-schwedische AstraZeneca abgesehen gehabt, war vor rund eineinhalb Jahren gescheitert. Zuletzt hatte die US-Regierung zwar mit einem neuen Gesetz versucht, steuersparenden Konzernumzügen einen Riegel vorzuschieben. Laut früheren Informationen leitetet Read den Konzern auch nach der Fusion, während Allergan-Boss Brent Saunders einen anderen hochrangigen Posten bekleiden soll.

Mit dem Zusammenschluss kämen nicht nur Viagra und Botox, sondern eine Reihe weitverbreiteter Schmerzmittel, Alzheimer-Präparate, Blutfettsenker und Augenarzneien unter ein Dach.

Der Pharmagigant würde jährlich Umsätze von mehr als 60 Milliarden Dollar erzielen und Novartis aus der Schweiz vom Spitzenplatz des weltgrößten Herstellers verschreibungspflichtiger Medikamente verdrängen. Aus eigener Kraft, sozusagen organisch, hätte Pfizer das wohl nicht geschafft: Pfizer ist zwar groß, aber trotz
Reads Bemühungen um Forschung und Entwicklung in der Defensive: Seit einiger Zeit haben die Amerikaner keinen wirklichen Kassenschlager mehr hervorgebracht. Innovationen kommen aber auch nicht vom neuen Partner: Allergan hat unter Saunders Forschung- und Entwicklung keine Priorität zuerkannt.

Mit einem Kauf reiht sich Pfizer in die Riege der größten Übernahmen aller Zeiten ein, die zwar noch immer vom Kauf der deutschen Mannesmann AG durch die britische Vodafone im Jahr 1999 für 203 Milliarden Dollar angeführt wird. Aber die bisherige Top-Fusion des Jahres, der geplante Kauf des zweitgrößten Bierbrauers SABMiller durch Weltmarktführer AB Inbev für über 100 Milliarden Doller, wird von Pfizer in den Schatten gestellt.