Feinkost-Zulieferer sind von der Zielpunkt-Pleite betroffen. - © Mehmet Emir
Feinkost-Zulieferer sind von der Zielpunkt-Pleite betroffen. - © Mehmet Emir

Wien. Die Insolvenz der Zielpunkt-Kette betrifft auch einige heimische Zulieferer. Besonders der steirische Fleischerei-Betrieb Schirnhofer mit Sitz in Kaindorf bei Hartberg dürfte unter der Zielpunkt-Pleite leiden. Schirnhofer war ursprünglich mit eigenem Personal und Sortiment bei Zielpunkt für den Feinkostbereich zuständig, im November vergangenen Jahres wurden die 400 Mitarbeiter an den Feinkost-Theken von Zielpunkt übernommen, Schirnhofer blieb aber Zulieferer.

Mit der Übernahme des Schirnhofer-Personals wollte man sich ursprünglich bis Ende 2015 Zeit lassen, der Ausbau der Zielpunkt-Filialen zum Vollsortiment-Anbieter ging jedoch vor. Zielpunkt wollte möglichst rasch sein Image als Diskonter abstreifen. Die Kosten der Übernahme des Schirnhofer-Personals ließ Zielpunkt im Geschäftsjahr 2013/14 rote Zahlen schreiben. Im Oktober 2014 musste Schirnhofer seine eigenen Filialen mangels Umsatzerfolgs zusperren. Seit Ende November und der Zielpunkt-Übernahme gibt es deshalb keine eigenen Schirnhofer-Filialen mehr.

Für die rund 400 ehemaligen Schirnhofer-Mitarbeiter ist die Zukunft nun ebenso ungewiss wie für das Zielpunkt-Stammpersonal. Die Firma Schirnhofer wollte am Donnerstag der "Wiener Zeitung" keine Auskünfte zu ihrer Situation geben.

Wurstproduzent
Wiesbauer betroffen


Von der Zielpunkt-Pleite betroffen ist auch der traditionsreiche Wiener Wurstwarenproduzent Wiesbauer. Die Firma hat bei Zielpunkt aktuell Umsätze im sechsstelligen Bereich ausständig, die jedoch vom Verrechnungskontor Markant, dem europaweit größten Dienstleister in der Lebensmittelbranche, gedeckt seien, sagte am Donnerstag der Geschäftsführer von Wiesbauer, Thomas Schmiedbauer. "Wir bedauern, dass mit Zielpunkt ein Player den heimeischen Markt verlässt", so Schmiedbauer. "Gerade in der heutigen Zeit, wo der Markt von zwei großen Firmen dominiert wird (Rewe und Spar, Anm.), ist es schade, dass ein Traditionsunternehmen wie Zielpunkt nun weg ist." Zwar würde Wiesbauer am heimischen Markt am meisten Umsatz mit den Platzhirschen Rewe und Spar machen, durch die Insolvenz von Zielpunkt würde der Firma aber immerhin ein jährlicher Umsatz von über einer Million Euro entgehen, so Schmiedbauer. "Das wird fehlen."

Fachverband befürchtet
weitere Marktkonzentration


"Jetzt gilt es, eine weitere Konzentration am heimischen Markt zu verhindern", so ein Sprecher des Fachverbandes der Lebensmittelindustrie. Schon jetzt hätten die Ketten Rewe, Spar und Hofer zusammen einen Marktanteil von mehr als 85 Prozent. Für die Hersteller bedeute die Pleite den Wegfall eines weiteren Absatzweges. Man hoffe auf "strukturpolitische Entscheidungen, damit die Hersteller nicht noch weiter unter Druck gesetzt werden."