Wien/Traun. Banken beginnen am Montag, Zielpunkt-Mitarbeitern Geld via Kontoüberziehung zur Verfügung zu stellen. Die Banken verrechnen dafür keine Überziehungszinsen. Dem Vernehmen entfallen jeweils etwa 600 Konten auf Bawag, Erste, Bank Austria und Raiffeisenbanken. Alle Banken haben versprochen, keine Überziehungszinsen zu verrechnen.

Auch die Rettung von möglichst vielen Zielpunkt-Filialen steht bereits auf der Tagesordnung. Dem Vernehmen nach sollen auch Rewe und Spar in die Lösung eingebunden werden, allen kartellrechtlichen Bedenken zum Trotz.

Der Konkurs über Zielpunkt wird Montag abend eröffnet, war am Sonntag zu hören. Gegen den bisherigen Eigentümer Georg Pfeiffer gibt es schwere Vorwürfe.

229 Filialen im Konkurs

Georg Pfeiffer sagte am Donnerstag, dass "eine Vielzahl der Filialen und Mitarbeiter von Konkurrenten übernommen werden". Der oberösterreichische Handelsunternehmer schickt - wie berichtet - Zielpunkt mit 229 Filialen und fast 3000 Mitarbeitern in Konkurs. November-Gehälter und Weihnachtsgeld wurden nicht mehr ausbezahlt. Dafür kaufte Georg Pfeiffer über die Pfeiffer Handels GmbH erst im November jene Immobilienfirma, die etwa 80 Zielpunkt-Liegenschaften besitzt - um kolportierte 38 Millionen Euro.

Der Gewerkschaft der Privatangestellten (GPA-djp) reicht es nun endgültig. Wegen der reichlich seltsamen Transaktionen rund um die Zielpunkt-Insolvenz wird von Anwälten im Auftrag der Gewerkschaft geprüft, eine Strafanzeige gegen Georg Pfeiffer und die verantwortlichen Geschäftsführer und Aufsichtsräte zu erstatten. Es geht dabei im Wesentlichen um Krida-Tatbestände.

GPA-djp prüft rechtliche Schritte gegen Pfeiffer


Was die Gewerkschaft aufregt, ist das Faktum, dass Pfeiffer durch diese Immobilien-Transaktion von der Verwertung der Zielpunkt-Filialen profitieren wird, obwohl er selbst das Unternehmen in die Pleite schickte.

Und am Freitag stellte sich auch heraus, dass Pfeiffer, der Zielpunkt Anfang 2014 übernahm, bereits seit Anfang 2013 Mieter der Filial-Objekte war. Im Klartext: Zielpunkt zahlt seit Anfang 2013 Miete an Pfeiffer. Ob diese Mieten Anfang 2013 erhöht wurden oder nicht ortsüblichen Konditionen entsprachen, prüft in solchen Situationen der Masseverwalter, der Zielpunkt bestmöglich für die Gläubiger verwerten muss. Einen solchen Masseverwalter kann es erst geben, wenn die Insolvenz offiziell angemeldet ist. Das soll Anfang nächster Woche der Fall sein.

Während also die 2700 Mitarbeiter, 80 Prozent davon Frauen, auf das ohnehin mickrige Gehalt warten müssen, hat sich Pfeiffer (bis Jahresende gerechnet) etwa 16 Millionen an Lohnzahlungen erspart. Pfeiffer selbst sprach am Freitag im Zusammenhang mit dem Immobilien-Deal von einem "unglücklichen zeitlichen Zufall." Der werde schon seit Monaten vorbereitet. Verkäufer der Zielpunkt-Immobilien ist die Trei Real Estate, die dem deutschen Handelskonzern Tengelmann gehört, früherer Zielpunkt-Eigentümer.

Faktum ist allerdings, dass die Pressestelle in der deutschen Firmenzentrale am Donnerstag noch nichts von diesem Verkauf wusste, da die "Wiener Zeitung" an diesem Tag auf Anfrage eine anderslautende Auskunft erhielt.

Ohne Hilfe von außen muss Zielpunkt bald zusperren


Damit ist die Pfeiffer Handels GmbH Eigentümer und Mieter der betroffenen Zielpunkt-Immobilien. Pfeiffer kann die Standorte verwerten, wie er will, sobald die insolvente Zielpunkt GmbH die (ebenfalls an Pfeiffer zu bezahlende) Miete nicht mehr leisten kann. Auch an die - richtig - Pfeiffer gehörenden Unimärkte.

Die Fortführung wird eine kaum zu stemmende Aufgabe. Seit 2010 hat Zielpunkt fast 100 Millionen Euro verloren, das negative Eigenkapital liegt laut Fortführungsprognose von Pfeiffer bei 33,4 Millionen Euro und ist eigentlich längst überschuldet.

Der Masseverwalter müsste sofort Investoren oder Bankkredite finden, um den Betrieb wenigstens ein paar Wochen fortzuführen. Das ist wenig realistisch.

Allerdings wird der Masseverwalter bald tätig werden. Denn zeitlich im November zusammengefallen sind:

der Verkauf des Gewinnbringers der Pfeiffer-Gruppe (an die Schweizer Coop),

der Kauf der Zielpunkt-Immobilien und

der Pfeiffer-Beschluss, Zielpunkt für zahlungsunfähig zu erklären.

Auch die Preise, die der Pfeiffer Großhandel Zielpunkt verrechnete, werden wohl genau untersucht. Auf Georg Pfeiffer kommen turbulente Zeiten zu. Die fast 3000 Zielpunkt-Mitarbeiter stecken schon mittendrin.