Wien/Teheran/Isfahan. Der Atomdeal vom 14. Juli 2015 zwischen dem Westen und dem Iran zeigt auch für die heimische Wirtschaft erste sichtbare Auswirkungen: Die AUA setzt 2016 mit bis zu 18 wöchentlichen Flügen einen Iran-Schwerpunkt und hofft auf einen deutlichen Zuwachs an Businesskunden. 14 Mal pro Woche zum Imam Khomeini Airport in der Nähe von Teheran und viermal in die Universitätsstadt Isfahan werden die AUA-Maschinen ab dem kommenden Frühjahr abheben.

Der Iran als Destination war neben den Schwerpunkten Ost- und Mitteleuropa sowie Naher und Mittlerer Osten in den vergangenen 30 Jahren - sieht man vom Höhepunkt der Sanktionszeit gegen die Islamische Republik 2012 bis 2013 ab - schon immer ein "Lieblingskind" der Austrian Airlines. Vor etlichen Jahren erwies sich Teheran sogar als eine der lukrativsten Strecken, da die Strecke mit rund fünf Stunden Flugzeit als Mittelstrecke gilt, aber die Preise mit 500 bis 800 Euro eher jenen einer Langstrecke entsprechen.

Dementsprechend enthusiastisch bemühte sich die 2010 pensionierte Ferry Sadri rund 30 Jahre lang für die AUA, das Iran-Geschäft in Österreich zu beleben und für die rund 10.000 Perser in Wien helfend zur Seite zu stehen, wenn ein dringender Iran-Flug gebraucht wurde. Auch nach der Ära Sadri bemühte sich das Unternehmen intensiv um die iranische Community. So gab es AUA-Stände bei iranischen Neujahrsfeierlichkeiten der Vereinigung iranischer Ärzte oder Ingenieure in Österreich, wo Gratis-Teheran-Flüge und Flyer in Farsi (siehe Bild oben rechts) die Community anregen sollten, mit der AUA in den Iran zu fliegen.

Hoffen auf gute Geschäfte


Da die Lage im Nahen und Mittleren Osten - bedingt durch die politischen Ereignisse und den größtenteils gescheiterten Arabischen Frühling sowie den barbarischen Machenschaften der sunnitischen Terrormiliz "Islamischer Staat" - sehr angespannt ist und die AUA klassische Ziele wie Tripolis oder Damaskus nicht mehr anfliegen kann, ist der Iran als regionaler "Keyplayer" doppelt interessant.

Das historische Abkommen im 13 Jahre andauernden Atomstreit zwischen den fünf UN-Vetomächten (Frankreich, China, USA, Russland und Großbritannien) plus Deutschland und dem Iran (der Iran verpflichtet sich, sein Atomprogramm herunterzufahren, der Westen hebt im Gegenzug die schmerzhaften Wirtschaftssanktionen auf) ebnet also neue Möglichkeiten für österreichische Firmen. Die OMV, Andritz und andere Großkonzerne hoffen auf gute Geschäftsmöglichkeiten in der Post-Sanktionsära.

Neues Luftverkehrsabkommen


So dürfte es auch kein Zufall gewesen sein, dass Bundespräsident Heinz Fischer, der die Islamische Republik, genauer gesagt Teheran und Isfahan, also just jene beiden Städte, auf die die AUA nun ihren Fokus setzt, vom 7. bis 9. September als erster EU-Staatschef seit 2004 besucht hat und dabei eine der größten Wirtschaftsdelegationen im Schlepptau hatte, die je mit einem österreichischen Präsidenten mitgereist waren. Mehr als 150 Vertreter von Top-Firmen begleiteten damals den Bundespräsidenten, Wirtschaftschef Christoph Leitl und Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner.

Viele von ihnen werden künftig öfter in den schiitischen Golfstaat fliegen. Hier will die AUA ansetzen. Für Andreas Otto, den Vertriebsvorstand der Austrian Airlines, ist dieser Schritt eine Reaktion auf die neue politische und wirtschaftliche Situation. "Wir bekommen aus Wirtschaft und Politik eindeutige Signale, die eine Wiederbelebung der Handelsbeziehungen zwischen Österreich und dem Iran erkennen lassen. Hier haben wir angesetzt und reagiert", heißt es in seiner Stellungnahme.

"Damit bieten wir unseren Passagieren neben den bereits bestehenden Nachtflügen einen zusätzlichen Tagesflug nach Teheran an", ergänzt AUA-Sprecherin Sandra Bijelic im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". Um diesen Schwerpunkt setzen zu können, war ein wichtiger Schritt notwendig. "Nach 30 Jahren konnte im Oktober 2015 ein neues Luftverkehrsabkommen zwischen Österreich und dem Iran verhandelt werden, die Basis für die Erweiterung unseres Angebots in den Iran", so Otto. Mit den neuen Flügen nach Isfahan biete man Politik und Wirtschaft eine weitere Direktverbindung für den Ausbau der Handelsbeziehungen an. Übrigens: Neben der AUA fliegt auch die staatliche iranische Fluggesellschaft Iran Air ein- bis zweimal wöchentlich direkt von Wien nach Teheran.