Graz/Wien. (kle/apa) Jetzt ist auch der Fleisch- und Wurstwarenhersteller Schirnhofer offiziell pleite. Probleme gab es offenbar schon länger, aber für den Zusammenbruch war dann letztlich die Insolvenz des Hauptkunden Zielpunkt ausschlaggebend. Dienstagvormittag hat die im oststeirischen Kaindorf (Bezirk Hartberg-Fürstenfeld) ansässige Firma beim Landesgericht Graz Insolvenz angemeldet. Kurz danach ist das Verfahren eröffnet worden. Die Insolvenz der Schirnhofer GmbH ist - gemessen an den Passiva und der Zahl der Beschäftigten - die größte Unternehmenspleite in der Steiermark im heurigen Jahr.

Betroffen sind 269 Mitarbeiter und 276 Gläubiger. Die Firma ist nach Angaben der Kreditschutzverbände mit bis zu 21 Millionen Euro überschuldet. Geplant ist, den Betrieb zu sanieren und fortzuführen. Den Gläubigern wird eine Quote von 20 Prozent geboten, zahlbar binnen zwei Jahren nach Annahme des Sanierungsplans.

Die Mitarbeiter haben das Oktobergehalt noch bekommen, das Novembergehalt und das Weihnachtsgeld sind aber ausständig. Von den Beschäftigten sind 70 bereits in der vergangenen Woche beim AMS-Frühwarnsystem zur Kündigung angemeldet worden.

Zielpunkt stand für
37 Prozent des Umsatzes

Schirnhofer produziert pro Jahr rund 12.000 Tonnen Fleisch- und Wurstwaren. Die Lieferungen an Zielpunkt haben ungefähr 37 Prozent des Gesamtumsatzes ausgemacht. Zu den übrigen Kunden zählen andere Groß- und Einzelhandelsunternehmen sowie Gastronomiebetriebe und Großküchen. Schirnhofer beliefert auch den deutschen Markt.

Gegründet wurde das Unternehmen 1977, der Ursprungsbetrieb war als kleine Fleischhauerei bereits 1926 ins Leben gerufen worden. Die in dritter Generation geführte Firma gilt als Österreichs größter in Familienbesitz befindlicher Fleisch- und Wursterzeuger. Die Schirnhofer Familien Unternehmen Holding GmbH hält 75 Prozent der Anteile, den Rest die Schirnhofer Vermögensverwaltungs GmbH.

Ab 2008 hatte die Schirnhofer GmbH laufend Betriebe übernommen, sodass im Konzern zu den besten Zeiten rund 1500 Mitarbeiter beschäftigt waren. Im Zuge einer Restrukturierung war der Betrieb der Schlachthof GmbH erst vor wenigen Monaten an die Firma Steirerfleisch verpachtet worden. Das von Schirnhofer verarbeitete Fleisch wurde daher seit kurzem von externen Schlachthöfen (vor allem von Steirerfleisch) zugekauft. Im September veräußerte Schirnhofer auch die Beteiligungen am Fleisch- und Wurstwarenhersteller Aibler in Oberwaltersdorf (Niederösterreich) sowie am Fertiggerichtehersteller Blasko Convenience in Bruck/Mur (Steiermark) an die Marcher Fleischwerke. Allein schon deshalb hatte sich der Personalstand bei Schirnhofer um mehrere hundert Mitarbeiter verringert.

Erste Gläubigerversammlung
am 17. Dezember

Zum Insolvenzverwalter hat das Landesgericht Graz den Anwalt Georg Muhri bestellt. Die erste Gläubigerversammlung soll am 17. Dezember stattfinden, die Berichts- und Prüfungstagsatzung am 28. Jänner 2016. Gläubigerforderungen können bis 14. Jänner angemeldet werden. Die Sanierungsplan-Tagsatzung ist für den 11. Februar anberaumt.