Anders sehen das Kritiker der Bedarfsprüfung. Ihrer Meinung nach hat die Kammer zu viel Macht darüber, ob ein Antragsteller eine neue Konzession bekommt oder nicht, wie es zur APA hieß. Bemängelt wird insbesondere, dass die Behörden stets ein Gutachten der Kammer einholen müssten - die Erhebung der Personen, die in einem Gebiet zu versorgen sind, erfolge nach Gutdünken respektive Stand des Antragstellers in der Kammer.

Apothekerkammer-Jurist Prinz betont, dass laufend neue Apotheken errichtet würden. In den vergangenen Jahren sei die Apothekenzahl "deutlich" gestiegen, momentan liege man bei rund 1.360 öffentlichen Apotheken. "Das beweist, dass das System nicht eines ist, das Konkurrenz mit allen Mitteln verhindert."

Das Gesundheitsministerium indes will das Apothekengesetz bald reparieren, dies aber an die Regelung der Primärversorgung koppeln, gegen die die Ärzte Sturm laufen. "Das BMG plant legistische Adaptierungen zur Sicherstellung und zum Ausbau der ärztlichen Versorgung sowie der Arzneimittelversorgung im ländlichen Raum", so Ministeriumssprecherin Raphaela Pammer auf APA-Anfrage. Ein "wesentliches Tool" sei die Stärkung der Primärversorgung, daher müssten die gesetzlichen Maßnahmen "im Gleichklang mit Ideen zur besseren Arzneimittelversorgung im ländlichen Raum diskutiert werden".

Die politischen Gespräche seien am Laufen, allerdings könne noch nicht gesagt werden, wann eine Regierungsvorlage vorliegen wird. "Da in diesem Zusammenhang jedenfalls auch Änderungen im Apothekengesetz angedacht sind, soll auch das Thema 'formale Umsetzung des EuGH-Urteils' damit erfolgen", so Pammer.

Das Gesundheitsressort bestätigte außerdem, dass das Ministerium am 6. Mai 2014 in einem Erlass gegenüber den Bezirksverwaltungsbehörden klargestellt habe, wie sie nach dem EuGH-Urteil bei der Vergabe von Apothekenkonzessionen zu verfahren haben. Von der starren Personenzahl von 5.500 sei demgemäß im Einzelfall abzusehen, "wenn es örtliche Besonderheiten im Interesse einer ordnungsgemäßen Arzneimittelversorgung der Bevölkerung im ländlichen Raum dringend gebieten."