Wien. (kle/apa) Ein weiteres Unternehmen kehrt der Wiener Börse den Rücken. Der niederösterreichische Büromöbelhersteller Bene hat am Freitag den im September beschlossenen Ausschluss der Minderheitsaktionäre ("Squeeze-out") umgesetzt. Damit gibt es keinen Streubesitz mehr, womit auch die die Zulassungsvoraussetzung für die Börse entfällt. Vorerst hat die Wiener Börse die Bene-Aktien vom Handel ausgesetzt, eine Rückkehr zeichnet sich aber nicht ab.

Bei Bene waren zuletzt noch 9,76 Prozent der Anteile im Streubesitz. Den Minderheitsaktionären wurden 1,03 Euro je Aktie als Abfindung angeboten. Dagegen hat jedoch der Interessenverband für Anleger (IVA) beim Landesgericht St. Pölten eine Anfechtungsklage eingebracht. Der IVA argumentiert, der Ausschluss des Streubesitzes erfolge zum "ungünstigsten" Zeitpunkt und sollte fairerweise erst dann über die Bühne gehen, wenn bei Bene eine "Normalisierung" eingetreten ist.

Neun Jahre an der Börse


Bene ist im Juni von dem früheren ÖVP-Wirtschaftsminister Martin Bartenstein und dem Sanierer Erhard Grossnigg zu 90,24 Prozent übernommen worden. Davor hatte die Firma jahrelang Verluste eingefahren und als schwer angeschlagen gegolten. Grossnigg hat bereits angekündigt, dass weitere Einschnitte geplant sind: "Wir werden uns noch einmal von vielen Mitarbeitern trennen müssen, um die Strukturen den Umsätzen anzupassen." Die Mitarbeiterzahl ist heuer bereits von 1050 auf 920 geschrumpft worden. Grossnigg ist auch an der Mutterfirma der Neudoerfler Büromöbel und Office Systems, einer Konkurrentin von Bene, beteiligt.

Bene wurde 1740 als Tischlerei gegründet und blieb das bis in die 1940er Jahre. 1951 stieg der damalige Inhaber Gottfried Bene auf die industrielle Fertigung um, ab den 1980er Jahren wurde auf Internationalisierung gesetzt. 2004 kaufte sich der österreichische Finanzinvestor UIAG ein, der die Firma zwei Jahre später an die Börse brachte. Am 3. November 2006 notierte Bene erstmals an der Wiener Börse, 52,7 Prozent waren damals im Streubesitz. Am Freitag wurde der Handel mit den Papieren ausgesetzt - wohl auf Dauer.