Wien. In den nächsten Tagen fallen für die Bank Austria die Würfel. Wird das defizitäre Filialgeschäft der größten Bank des Landes nun restrukturiert oder wird es verkauft? Diese Frage wird seit einem Monat vom Management in Abstimmung mit der italienischen Mutterbank Unicredit erörtert. Eine Entscheidung soll es jedenfalls "sehr bald" geben, hieß es vor dem Wochenende bei der Bank Austria. Insider sprachen davon, dass "es auf des Messers Schneide steht", wofür sich die Bankverantwortlichen letztlich entscheiden.

Auf das Filialgeschäft der Bank Austria, das heuer in den ersten drei Quartalen einen Verlust von 41 Millionen Euro abwarf, entfallen rund 1,6 Millionen Privatkunden und kleinere Firmenkunden. In der Sparte sind zirka 3500 Mitarbeiter (inklusive Backoffice) tätig. Derzeit umfasst das Netz noch rund 200 Filialen, nachdem seit Anfang 2013 knapp 70 Klein- und Kleinstfilialen dem Sparstift zum Opfer gefallen sind.

Sollte die Sparte verkauft werden, bliebe der Bank nur noch das Geschäft mit großen Firmenkunden, das Geschäft mit vermögenden Privatkunden und das Investmentbanking. Das stolze Geldhaus würde damit abermals verkleinert, nachdem Unicredit im November im Rahmen eines neuen Strategieplans beschlossen hat, die lukrative Osteuropa-Sparte 2016 von Wien zu sich nach Mailand abzuziehen.

Als einziger Interessent für das Filialgeschäft der Bank Austria ist bisher die Bawag kolportiert worden. Andere Interessenten soll es aktuell nicht geben, ist zu hören. Indes wäre ein Verkauf an die Bawag aus kartellrechtlichen Gründen höchst problematisch. Bank Austria und Bawag sind mit ihrem Filialnetz vor allem in Ostösterreich prominent aufgestellt. Allein in Wien kommen beide Institute gemeinsam auf einen Marktanteil von rund 70 Prozent.

Radikale Kostendiät - so oder so


In der Bank Austria bleibt künftig freilich auch dann kein Stein auf dem anderen, wenn beschlossen werden sollte, das Privatkundengeschäft zu behalten. In diesem Fall würde - unter dem Druck der neuen Gewinnziele und Rendite-Vorgaben im Unicredit-Konzern - ein Blut-und-Tränen-Programm ausgerollt, um die Kosten signifikant runterzubringen. Das hieße dann: Kahlschlag bei den Filialen und bei den Mitarbeitern.

Wobei dies auch im Fall eines Verkaufs der Sparte an die Bawag drohen würde. Die ehemalige Gewerkschaftsbank, heute im Eigentum der beiden US-Fonds Cerberus und Golden Tree, müsste das zugekaufte Filialnetz ja in ihres integrieren und - um es profitabel zu machen - den Rotstift wohl ebenfalls massiv ansetzen. Hauptasset für die Bawag wären die 1,6 Millionen Retail-Kunden der Bank Austria, sollte es zu einem Verkauf kommen.

Franz Hahn, Bankenfachmann des Wifo, glaubt sogar, dass längerfristig, in fünf bis acht Jahren, so gut wie alle Bank-Austria-Filialen wegrationalisiert sein werden - egal, ob die Bank Austria ihre Privatkundensparte nun restrukturiert oder ein Mitbewerber diese übernimmt. Es werde dann lediglich noch ein paar größere Beratungszentren geben, sagt Hahn. "Das bedeutet: Schrumpfen auf ein absolutes Minimum." Und damit gehe es tendenziell "in Richtung Direktbank" - zumal Online-Banking auf dem Vormarsch sei und das Internet gerade bei einfachen, standardisierten Finanzprodukten immer mehr als kostengünstiger Vertriebsweg genutzt werde. "Da braucht man dann keine Filialen mehr", so Hahns Fazit.

Generell zu viele Bankfilialen


Vor diesem Hintergrund sind auch andere heimische Großbanken gezwungen, die relativ teure Infrastruktur ihres Filialgeschäfts zu hinterfragen und neue Konzepte für die Zukunft aufzusetzen. Österreich hat nach wie vor zu viele Bankfilialen, zuletzt gab es landesweit rund 4200 Standorte. Mit Blick auf die Branche spricht die Nationalbank von Strukturproblemen und verweist dabei auf den massiven Wettbewerb sowie die mageren Erträge, denen wiederum hohe Regulierungskosten gegenüberstehen. Sie mahnt bei den Geldinstituten seit der Finanzkrise Maßnahmen zur Marktbereinigung ein. Mit der Bank Austria ist dieser Strukturwandel gerade dabei, sich zu beschleunigen.