Wien. Seit Montagabend ist klar: Die Unicredit-Tochter Bank Austria muss bis 2018 ihre Kosten um 300 Millionen Euro gegenüber dem Jahr 2014 reduzieren. 70 der aktuell 190 Filialen werden geschlossen. Damit könnte, grob geschätzt, jeder dritte Arbeitsplatz wegfallen. Derzeit sind rund 3500 Mitarbeiter im nicht mehr rentablen Privatkundengeschäft der Bank Austria tätig. "Wir dürfen nicht mit Ihnen sprechen. Die Stimmung ist aber nicht gut, klar", sagt ein Mitarbeiter auf Nachfrage. In den Filialen selbst gibt man sich wortkarg. Die Mitarbeiter seien jedenfalls besorgt. Wie viele Stellen genau gestrichen werden, das möchte man weder seitens des Managements, noch seitens der Gewerkschaft kommentieren. Das hänge, so Bank-Austria-Chef Willibald Cernko, auch vom Verhandlungserfolg mit den Gewerkschaften und dem Mutterkonzern ab. "Es geht um ein Kosten-Ertragsziel, nicht um ein Köpfe-Ziel", sagte Cernko am Dienstag vor Journalisten. Jetzt starten auch die konkreten Gespräche zwischen Betriebsrat und Managemant. Zur Debatte steht etwa, ob im Zuge der Schließungen einige wenige, aber dafür größere Filialen eingerichtet werden, in denen mehr Mitarbeiter beschäftigt werden. Die Vorgaben aus Mailand sind jedenfalls klar: Die Relation zwischen Kosten und Ertrag soll von derzeit 80 auf 60 Prozent gedrückt werden. Vereinfacht gesagt, möchte die Bank ihre Ertragsspanne steigern. Das Institut hat heuer pro betreutem Privatkunden 36 Euro verloren. Der Einigung mit Mailand waren wochenlange, zähe Verhandlungen zwischen Vorstand und Belegschaft vorangegangen. Immerhin, der Verkauf der Privatkundensparte an Bawag-Eigentümerin Cerberus wurde abgewendet. "Damit wären sicherlich mehr Arbeitsplätze weg gewesen als bei der geplanten Restrukturierung", sagte Betriebsrat Adolf Lehner. Weil der Verkauf nun vom Tisch sei, sei auch der angedrohte Streik kein Thema mehr. "Aber auch das kleinere Übel wird ein großes Stück Arbeit." Cernko hat angekündigt, den Stellenabbau ohne betriebliche Kündigungen durchführen zu wollen.

"Darauf haben wir uns mit dem Vorstand verständigt. Wir gehen davon aus, dass wir die Mitarbeiter gut verteilen können", sagte Lehner. Ein Garantie wollte er aber nicht abgeben. Denn dazu müssten alle Mitarbeiter, die von den Sparmaßnahmen betroffen sind, in Pension gehen oder einer einvernehmlichen Trennung zustimmen. Oder sie finden einen Job bei einer anderen Bank. Letzteres ist derzeit aber besonders schwierig. Seit der Finanzkrise 2008 ist die heimische Bankenbranche quasi in einer Dauerkrise. Zum einen laufen die Geschäfte in Osteuropa nicht mehr so gut. Die Raiffeisen Bank International musste deshalb im Vorjahr einen Rekordverlust von knapp einer halben Milliarde Euro verkraften. Außerdem gibt es in Österreich zu viele Banken. Laut Nationalbank sind es derzeit fast 750. Und diese haben wiederum zu viele Filialen, nämlich 4137.

Hinzu kommen Niedrigzinsen und relativ bescheidene Renditen auf das eingesetzte Kapital. Und: Ein Großteil des Bankgeschäfts wandert ins Internet ab. Auch der Bank-Austria-Vorstand hat angekündigt, das Online-Banking ausbauen zu wollen und die Anzahl der "einfachen" Bankprodukte auf rund acht zu minimieren. All das bringt den heimischen Markt unter Druck. Während die Beschäftigung in Österreich zwischen 2008 und 2014 um 3,4 Prozent gestiegen ist, ist sie laut AMS im Bankenbereich um 4,8 Prozent gesunken. Der Personalabbau ist großteils über Pensionierungen erfolgt, viele Stellen werden nicht nachbesetzt.

Ein Stellenabbau droht auch dem strauchelnden Volksbankensektor. In den kommenden Jahren sind 40 Fusionen geplant, denen weitere rund 1000 Arbeitsplätze zum Opfer fallen könnten. Das trifft vor allem junge Uni-Absolventen. Ein Stück weit macht sich diese Bankenkrise auch in der Arbeitslosenstatistik des AMS bemerkbar. Ende November waren zum Beispiel 1687 Betriebswirte als arbeitssuchend gemeldet. Gegenüber dem Vorjahr ist das ein Plus von 7,3 Prozent. Die Jobaussichten in der Branche sehen auch weiterhin düster aus. Derzeit sind rund 75.000 Menschen im heimischen Banksektor tätig. Wegen der voranschreitenden Digitalisierung wird die Branche laut Prognosen des Wirtschaftsforschungsinstitut langfristig auf 50.000 schrumpfen.