Wien. (kle) Raiffeisen feilt an Plänen für einen Umbau seines Bankensektors. Über die neue Struktur soll 2016 entschieden werden. Wie diese aussehen könnte, dazu halten sich die Giebelkreuzer zwar weiterhin bedeckt. So sagte Walter Rothensteiner, Chef der Raiffeisen Zentralbank (RZB): "Alles ist möglich." Er und sein Kollege Karl Sevelda, Chef der Raiffeisen Bank International (RBI), räumten am Donnerstag jedoch erstmals öffentlich ein, dass eine Fusion von RBI und ihrem Mutterinstitut RZB für den Sektor "mathematische Vorteile" hätte - etwa bei der Kapitalisierung.

"In keiner Weise" wolle er sich aber auf eine Verschmelzung festnageln lassen, fügte Rothensteiner, der als Generalanwalt auch oberster Raiffeisen-Chef ist, an. Die Frage der künftigen Struktur wolle er öffentlich nicht diskutieren.

Alle Banken, so Rothensteiner vor Journalisten, stünden vor Veränderungen, zumal "die Strangulierung durch die Aufsicht immer stärker wird". Von den genossenschaftlichen Bankengruppen baut sich derzeit die niederländische Rabobank um, wo alle lokalen Rabobanken mit der Zentrale in Utrecht fusionierten. Allerdings sei die Rabobank sehr stark auf externe Finanzierung angewiesen, erklärte Rothensteiner. "Keiner wird bei uns die 470 Raiffeisenbanken zusammenfusionieren."

Filialen zu schließen ist indes auch bei Raiffeisen immer wieder ein Thema. Im Vergleich zur Bank Austria, die ihr Netz drastisch verkleinert, würden sich große Einsparungen bei den Raikas mit ihren Kleinfilialen am Land aber in Grenzen halten. Wenn Raiffeisen da 100 Filialen zusperre, sei der Kosteneffekt ungefähr gleich hoch, wie wenn die Bank Austria 10 Filialen auflasse, so Rothensteiner.

Die RBI sieht Sevelda bei ihrer Neuausrichtung "auf gutem Weg", wie er sagte. Die tschechische Online-Bank Zuno sei nun verkauft, ebenso wie jüngst die Slowenien-Bank. Fertig sei man auch mit der Straffung des Filialnetzes in Ungarn, so Sevelda. Und im Krisenland Ukraine habe Raiffeisen bei der Aval Bank jetzt die Osteuropabank EBRD mit 30 Prozent an Bord, dort sei der Turnaround für 2016 geplant. Indes wird der härteste Brocken im neuen Jahr der geplante Verkauf der Polbank in Polen sein, der war zuletzt durch widrige Umstände blockiert.