Wien. (kle) "Der Reformdruck auf Österreichs Banken steigt." Nationalbank-Chef Ewald Nowotny sieht die Branche mit Blick auf das flaue Wirtschaftswachstum, das historische Zinstief und das nach wie vor niedrige Niveau der Kreditqualität "vor erheblichen Herausforderungen", wie er am Freitag bei der Vorlage des Finanzmarktstabilitätsberichts sagte. Notwendige Strukturreformen sollten daher zügig umgesetzt werden. Die Konsolidierung der Branche, die ja bereits im Gang ist, hat freilich auch den Abbau von Jobs zur Folge. Nowotny hält es nicht für unrealistisch, dass es im heimischen Bankensektor in vier bis fünf Jahren um ein Drittel weniger Arbeitsplätze geben wird als jetzt. Das wären rund 25.000 Arbeitsplätze. Im Jahr der globalen Finanzkrise, 2008, gab es hierzulande insgesamt noch rund 80.300 Bankjobs. Per Jahresende 2014 waren es rund 75.700. Und aktuell sind es laut Nowotny wohl noch einmal um zirka 1000 weniger. Der "notwendige Strukturwandel" sei im internationalen Vergleich bisher aber langsam gelaufen, sagte der Nationalbank-Chef. Österreich habe nicht nur einen sehr hohen Anteil von Bankbeschäftigten im Vergleich zur Gesamtbeschäftigung des Landes - dieser Anteil gehe auch langsamer zurück als in anderen Ländern. International gibt es einen rapiden Rückgang bei Arbeitsplätzen im Bankenbereich.

Nur 2000 Kunden pro Filiale


Zur Kapitalisierung der österreichischen Banken sagte Nowotny, dass diese ihre Widerstandsfähigkeit seit 2008 zwar erhöht hätten (die Kapitaldecken seien in Summe um rund 16 Milliarden Euro aufgepolstert worden). Nach wie vor seien die heimischen Finanzinstitute aber "schlechter kapitalisiert" als ihre Pendants in der EU, wie Nowotny zu bedenken gab. Vor diesem Hintergrund sei zu begrüßen, dass das Finanzmarktstabilitätsgremium, dem Vertreter des Finanzministeriums und der Finanzmarktaufsicht sowie andere Experten angehören, den heimischen Großbanken den Aufbau eines Systemrisikopuffers empfohlen habe. Dieser Kapitalpuffer soll in den kommenden Jahren aufgebaut werden und für eine weitere Stärkung der Finanzmarktstabilität in Österreich sorgen. Zum Thema Bankfilialen, das mit den jüngsten Kürzungsplänen der Bank Austria aktueller denn je ist, sagte Nationalbank-Vize Andreas Ittner: "Es wäre unpassend, wenn die OeNB den Banken eine Vorgabe machen würde, wie viele Filialen sie haben sollen." Die Institute müssten "selbst herausfinden, welche Kunden mit welchem Vertriebskanal ansprechbar sind und was die Kunden bereit sind zu zahlen". Bankfilialen habe Österreich freilich nach wie vor zu viele, so Ittner. Seit 2008 habe sich deren Zahl mit rund 4200 kaum verändert. In Österreich kämen auf eine Bankfiliale lediglich 2000 Kunden. Zum Vergleich: In den Niederlanden sind es laut Ittner durchschnittlich 9000, in Estland 11.000 Kunden pro Filiale.

Profite noch zu gering


Zwar lassen für heuer bisher vorliegende Zahlen eine gestiegene Profitabilität der heimischen Banken erwarten. Trotzdem betonte Ittner, dass sich die Geldinstitute noch stärker nach dem Kriterium der Profitabilität, die ein maßgeblicher Faktor für die Stärkung der Kapitalisierung ist, auszurichten hätten. Dazu gehöre auch, künftig für Dienstleistungen, die bis dato kostenlos waren, Geld zu verlangen oder diese eben nicht mehr anzubieten. "Banken konnten es sich bisher leisten, Service de facto gratis zur Verfügung zu stellen", so Ittner. Bei einer hohen Zinsspanne habe man viel auffangen können, aber mit den rückläufigen Gewinnmargen gehe das nicht mehr. Durch Abhebungen am Bankomaten etwa entstünden den Banken Kosten - auch wenn diese Leistung in Österreich und damit für Österreicher in der gesamten Eurozone kostenlos angeboten werde. Wer billigste oder kostenlose Leistungen wolle, werde das in Zukunft wohl nur noch elektronisch angeboten bekommen, meinte Ittner. Für die Stabilität des österreichischen Finanzmarkts hat die Notenbank unterdessen auch den Immobiliensektor genau im Auge, um Blasenbildungen frühzeitig zu erkennen. Eine "Überhitzung" sei derzeit zwar nicht in Sicht. Aber die Notenbank bemüht sich - vorsichtshalber - um ein gesetzlich verankertes Durchgriffsrecht, um im Ernstfall strikte Bedingungen für die Kreditvergabe vorschreiben zu können. Dazu könnte eine Beschränkung der Kredithöhe im Verhältnis zum Einkommen oder in Relation zum Wert der gekauften Immobilie gehören.