Wien. (jm/apa) Die Zukunft der 229 Filialen der insolventen Supermarktkette Zielpunkt hängt noch in der Luft. Und mit ihr die Zukunft von rund 2700 Mitarbeitern. Bis Montag, 24 Uhr, konnten Interessenten Kaufangebote für die Filialen abgeben. Noch in dieser Woche wird Zielpunkt-Masseverwalter Georg Freimüller entscheiden, wie es mit den Standorten weitergeht.

Bisher soll es 150 Interessenten geben, die überwiegend dem Lebensmittelhandel angehören. Aber auch die Bekleidungs- und Schuhhandelsbranche sowie Drogeriemärkte sind an einigen Standorten interessiert. Heute, Dienstag, findet eine Gläubigersitzung statt, bei der entschieden werden soll, was mit den Filialen passiert. Für manche Standorte soll es sogar mehrere Interessenten geben. Jene Filialen, für die es keine Käufer gibt, werden noch heuer geschlossen, so Freimüller.

Platzhirsche haben Interesse


Eine Abwicklung für den Lebensmittelhandel ist speziell aus wettbewerbsrechtlicher Sicht nicht so einfach. Die großen Platzhirsche der Branche - Rewe, Spar, Hofer und Lidl - haben bereits grundätzliches Interesse an einigen Standorten bekundet. Hier hat allerdings noch die Bundeswettbewerbsbehörde (BWB) ein Wörtchen mitzureden, um eine Konzentration im Lebensmitteleinzelhandel zu verhindern.

Der Marktanteil der Zielpunktkette beträgt österreichweit zwar nur 2,5 Prozent, doch in Wien war Zielpunkt nach der Filialanzahl die Nummer zwei hinter Billa. Rewe mit Billa, Merkur, Penny und Adeg kommt in Österreich laut RegioData auf einen Marktanteil von 33,7 Prozent, gefolgt von Spar mit 30,4 Prozent, Hofer (19,2 Prozent), Lidl (5,8 Prozent) und M-Preis (5,8 Prozent).

Unterdessen hat die Gewerkschaft die Sozialplan-Verhandlungen beim Zielpunkt-Mutterkonzern Pfeiffer für gescheitert erklärt. In der Logistik und in der Holding stehen in Summe 209 Arbeitsplätze vor dem Aus, für sie habe Pfeiffer 1,8 Millionen Euro angeboten. "Diese Summe liegt deutlich unter unseren ursprünglichen Forderungen", so die Gewerkschaften Vida und GPA-djp. Damit würden die sozialen Härtefälle nicht abgefedert werden. Mit dieser Summe ist es aus Sicht der Gewerkschaft unmöglich, Geld für Umschulungen in Form einer Arbeitnehmerstiftung zur Verfügung zu stellen. Die Arbeitnehmervertreter haben daher die Schlichtungsstelle beim Arbeits- und Sozialgericht einberufen. Außerdem findet heute, Dienstag, im Logistikzentrum von Pfeiffer in Wien eine Betriebsversammlung statt.

Pfeiffer fordert Nachsicht ein


Der Handelskonzern Pfeiffer fordert in den Sozialplanverhandlungen rund um die Schließung des Logistikzentrums Nachsicht ein. Die von der Gewerkschaft geforderten Leistungen von rund sieben Millionen Euro seien zu hoch. "Wir sind schlicht nicht imstande, die geforderte Summe aufzubringen", so Martin Etzlstorfer von der Pfeiffer Logistik. Zumal man heuer ein Ergebnis der Geschäftstätigkeit von minus 1,3 Millionen Euro aufweise, so das Unternehmen. "Wir scheuen das Urteil der Schlichtungsstelle nicht", stellte Etzlstorfer klar.

Pfeiffer versucht aber laut eigenen Angaben, einen Nachnutzer für das Logistik-Zentrum zu finden. Aktuell lägen Angebote vor, die geprüft würden. Damit bestünde auch die Möglichkeit für die betroffenen Beschäftigten, hier weiterzuarbeiten.