Wien. Der Gläubigerausschuss der insolventen Handelskette Zielpunkt hat am Dienstag 25 Anbote für insgesamt 113 Zielpunkt-Standorte mit rund 1350 Beschäftigten einstimmig gebilligt. Für 112 Standorte mit 1250 Mitarbeitern gebe es derzeit noch keine Angebote, so Zielpunkt-Masseverwalter Georg Freimüller Dienstagabend. Deren Schließung droht. Was Freimüller nicht dazu sagte: Rewe und Spar haben ihr Interesse an Zielpunkt-Filialen dem Masseverwalter bekannt gegeben, ist von involvierten Kreisen zu hören. Dem Vernehmen nach wäre ohne das Interesse der Marktführer im Lebensmitteleinzelhandel die Situation für die Zielpunkt-Filialen deutlich schlechter. Auch Diskonter wie Hofer und Lidl haben sich beteiligt.

Die Entscheidung über die vorläufige Liste des Masseverwalters für die Zielpunkt-Filialen, von der immerhin 1350 Arbeitsplätze abhängen, liegt nun bei der Bundeswettbewerbsbehörde. Gemäß Kartellgesetz kann die Wettbewerbsbehörde aus wirtschaftlichem Interesse (etwa zum Erhalt von Arbeitsplätzen) einer größeren Marktkonzentration zustimmen.

Dem Vernehmen nach haben sowohl Regierung als auch das AMS Interesse daran, Rewe und Spar an der Zielpunkt-Verwertung zu beteiligen. Die deutsche Supermarkt-Kette Edeka dementierte auf APA-Anfrage entsprechende Medienberichte, dass sie ein Angebot für Zielpunkt-Filialen abgeben hat.

Georg Pfeiffer, der als Eigentümer Zielpunkt in den Konkurs schickte, hatte ja zuletzt auch einen Sozialplan für die 209 Logistikmitarbeiter abgelehnt. Er wollte 1,8 Millionen Euro bereitstellen, das ist für eine Arbeitsstiftung zu wenig.

Zielpunkt ging Anfang Dezember in Konkurs, nachdem Pfeiffer die weitere Finanzierung der Einzelhandelskette eingestellt hatte. Pfeiffer ist allerdings Eigentümer von Liegenschaften der Filialen sowie des Logistikzentrums in Wien.

Schweizer schnappen sich Pfeiffer

Sozialminister Rudolf Hundstorfer (SPÖ) hatte nicht damit gerechnet, dass alle Filialen übernommen werden und damit auch nicht alle Mitarbeiter. Der überwiegende Teil der Zielpunkt-Kräfte hat laut AMS einen Lehrabschluss im Lebensmittelhandel. Übernommen werden schon fix alle 69 Lehrlinge, die ihre Ausbildung in anderen Supermarktketten fortsetzen können.

Unterdessen hat die EU-Kommission den Verkauf vom österreichischen Großhandelsbetrieb C+C Pfeiffer an die Schweizer Coop-Tochter Transgourmet genehmigt. Das teilte sie am Dienstag mit. Man erwarte von dem Deal per 1. Jänner keine Wettbewerbsverzerrung, weil der Marktanteil der Partner bescheiden sei, so die Begründung.

C+C Pfeiffer ist das Filetstück der Pfeiffer-Handelsgruppe mit Sitz in Traun, der auch die insolvente Zielpunkt-Kette gehört. C+C Pfeiffer beschäftigt rund 1400 Mitarbeiter, zuletzt wurde ein Umsatz von 470 Millionen Euro erzielt. Als der Deal Anfang November bekannt gegeben wurde, hatte es noch geheißen, dass sich für die Beschäftigten nichts ändern werde.