• vom 28.12.2015, 09:30 Uhr

Österreich

Update: 28.12.2015, 14:03 Uhr

Energiepolitik

Ederer warnt vor schleichendem Ausverkauf der OMV




  • Artikel
  • Kommentare (1)
  • Lesenswert (0)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von WZOnline/APA

  • Gewerkschaft fordert Regierungsbekenntnis.

Wien/Moskau. "Die Aushöhlung des industriellen Flaggschiffes OMV ist in vollem Gang", schrieb Chefredakteur Reinhard Göweil Anfang November in seinem Leitartikel. "Und die staatliche Holding ÖBIB (früher ÖIAG) als Hauptaktionär schaut einfach zu.... Und die Regierung? Auch die schaut zu, wie das nächste Filetstück heimischer Industrie zerstückelt und von Dritten verspeist wird." (Siehe dazu den Leitartikel vom 6.11.2015: "OMV, das nächste Opfer")

Brigitte Ederer, frühere SPÖ-Politikerin, ÖIAG-Aufsichtsrätin und nunmehrige ÖBB-Aufsichtsratschefin, warnt nun ebenfalls vor einem schleichenden Ausverkauf des teilstaatlichen Energiekonzerns OMV. Die Gefahr, dass die OMV auf kaltem Wege privatisiert werde, habe sich aktuell verstärkt, sagt Ederer im Interview  mit der Tageszeitung "Der Standard".

Schon als seinerzeitige ÖIAG-Aufseherin hatte sie befürchtet, und nun "recht behalten: Das Öl- und Gasgeschäft der OMV wird immer mehr an die russische Gazprom gehen, und die sehr erfolgreiche Borealis-Beteiligung wandert an Abu Dhabi. Für beides gibt es keine sachlichen Gründe: Russland hat großes Interesse, in Westeuropa Fuß zu fassen. Da ist es nicht notwendig, ihnen eine österreichische Beteiligung noch nachzuschmeißen." In Abu Dhabi wiederum sitzt der Staatsfonds IPIC, mit dem die neue staatliche Anteilsverwalterin ÖBIB wie ihre Vorgängerin ÖIAG bei der OMV syndiziert ist.

 Sorge um Österreichs größtes börsenotiertes Unternehmen

Ederer fürchtet, "dass das Öl- und Gasgeschäft à la longue an die Russen geht, der Chemiezweig mit Borealis als Ausgleich zur Gänze an den Staatsfonds von Abu Dhabi". Dabei fühlt sie sich an Vorgänge bei der Telekom Austria erinnert, als der mexikanische Telekomriese America Movil mehrheitlich einstieg. Nun mache sie sich "große Sorgen" um Österreichs größtes börsenotiertes Unternehmen.

Bei der OMV sei die Frage, ob sie die angedachte Minderheitsbeteiligung an einem Erdgasfeld in Sibirien brauche. "Russland hat jedes Interesse, nach Westeuropa zu liefern. Tatsache ist aber, die OMV will sich zu knapp 25 Prozent in einem Gasfeld in Westsibirien einkaufen. Das will oder kann man aber nicht bar bezahlen, also soll es zu einem Asset-Deal mit österreichischen Vermögenswerten kommen. Ich weiß nicht, wie wertvoll dieses Gasfeld ist, die Bewertung erfolgt ja geheim. Der Öffentlichkeit ist diese Information leider nicht zugänglich", kritisiert Ederer im "Standard".

"Strategische Interessen der Republik"

Es gehe nicht um das Privatvermögen des OMV-Chefs Rainer Seele, "sondern um strategische Interessen der Republik", sagt Ederer. Man wisse aber vieles nur vom Hörensagen, "es herrscht große Geheimhaltung". An einer möglichen gemeinsamen Tochtergesellschaft wäre Gazprom Ederer zufolge auf jeden Fall beteiligt, "während der OMV-Anteil unter 25 Prozent läge. Und das eigentliche Problem ist aus meiner Sicht, dass Gazprom der alleinige Abnehmer wäre, und das zu Inlandspreisen. Die Preisgestaltung entscheidet dann allein Gazprom als De-facto-Monopolist."

Nun würde sie sich wünschen, dass der Finanzminister den möglichen Deal verhindert, "auch wenn das schwierig erscheint". Da es keinen Privatisierungsauftrag gebe, passiere "das alles über die Hintertür, über Eigentumstausch. Dem Finanzminister wird versprochen, es gibt weiter Geld fürs Budget."

Gewerkschaft fordert Regierungsbekenntnis

Der geplante Asset Swap zwischen der teilstaatlichen OMV und der russischen Gazprom - zu dem es noch keine Details gibt - hat am Montag auch die Gewerkschaft vida auf den Plan gerufen. Keinesfalls dürften sich die "Privatisierungsdesaster der 2000er-Jahre oder die leidige Telekom-Geschichte" beim heimischen Energiekonzern wiederholen, warnte vida-Vizechef Roman Hebenstreit in einer Aussendung.

Der Gewerkschafter fordert daher von der Bundesregierung ein "klares Bekenntnis zur Staatsbeteiligung" OMV. "Gerade in schwierigen Zeiten ist es besonders wichtig, dass die Republik starke strategische Beteiligungen an Unternehmen der Daseinsvorsorge hält", so der ÖBB-Konzernbetriebsratschef. Die Telekom Austria habe man '"de facto bereits verloren". Übrige Republiksbeteiligungen gehörten geschützt.

Die Staatsholding ÖBIB, die die Republiksanteile an Unternehmen wie der OMV, Telekom Austria und der Post AG verwaltet, ist aus Sicht Hebenstreits ein "politisches Schutzschild", das nur verschleiern würde, dass "dahinter ein Minister Verantwortung zu tragen hätte", greift der Gewerkschafter indirekt Finanzminister und Eigentümervertreter Hans Jörg Schelling (ÖVP) an, ohne dessen Namen zu nennen.

Ein Sprecher des Öl- und Gaskonzerns wies indes laut Ö1-"Mittagsjournal" auch die Kritik von Ex-ÖIAG-Aufsichtsrätin und -SPÖ-Politikerin Brigitte Ederer zurück.





1 Leserkommentar




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2015-12-28 09:32:20
Letzte Änderung am 2015-12-28 14:03:40


Werbung



Firmenmonitor







Werbung