Wien. (del) Bis zuletzt hatten die Angestellten von 112 Zielpunkt-Filialen darauf gehofft, dass sich doch noch Käufer für den einen oder anderen Standort finden. Ein "Weihnachtswunder", wie es Christian Vavrik vom Gläubigerschutzverband KSV gegenüber der "Wiener Zeitung" nannte, ist nicht eingetreten.

Am Montag hat Zielpunkt-Masseverwalter Georg Freimüller einen Schließungsantrag für die 112 Geschäftsstellen beim Wiener Handelsgericht eingebracht. Noch am selben Tag hat das Gericht einen entsprechenden Schließungsbeschluss gefällt.

Am Samstag, dem 2. Jänner, werden die Filialen geschlossen. Ein Gutteil davon ist in Wien, wie aus einer Liste hervorgeht, die am Montag den betroffenen Mitarbeiter übermittelt wurde. Diese liegt der "Wiener Zeitung" vor. Geschlossen werden aber auch zahlreich Standorte in Niederösterreich, dem Burgenland und der Steiermark, die keine Käufer finden konnten. Damit verlieren 1250 Mitarbeiter ihren Job. Heute, Dienstag, beginnt der Abverkauf des gesamten Warenbestands.

Verwertung nächste
Woche abgeschlossen


Mit dem Schließungsbescheid ist die Hoffnung, die Filialen mitsamt den Arbeitsplätzen zu retten, gestorben. "Mit Ende der Woche ist die Verwertung abgeschlossen. Nächste Woche werden die Mietobjekte zurückgestellt", erklärt Jürgen Gehbauer vom Gläubigerschutzverband KSV.

Die Mitarbeiter werden damit auch vom Dienst freigestellt und beim Arbeitsmarktservice zur Kündigung angemeldet. Wegen der Kündigungsfristen können die betroffenen Mitarbeiter unter Umständen, wie ein Sprecher der Gewerkschaft erklärt, Gehaltsansprüche bis in die zweite Jännterhälfte geltend machen. Die Bundesarbeiterkammer (AK) veranstaltet in Wien am Dienstag eine nicht-öffentliche Veranstaltung für alle Mitarbeiter, die von den Schließungen betroffen sind. Dort sollen sie über das weitere Vorgehen und ihre Rechte rund um die Kündigungen informiert werden, erklärt Karin Ristic, Leiterin des Insolvenzschutzverbandes für ArbeitnehmerInnen von AK und ÖGB.

November-Gehälter
schon ausgezahlt


Indes wurden schon am 17. Dezember die ausständigen November-Gehälter und das Weihnachtsgeld in Gesamthöhe von rund 30 Millionen Euro vom Insolvenzentgeltfonds (IEF) an die rund 2500 Zielpunkt-Mitarbeiter ausgezahlt. Der IEF musste nach der kurzfristigen und unangekündigten Pleite des damals zur oberösterreichischen Pfeiffer Handelsgruppe gehörenden Konzerns einspringen. Forderungen rund um die Dezember-Gehälter oder etwaige Entschädigungszahlungen sind beim IEF bisher nicht eingelangt.

Noch unklar ist die Zukunft jener 113 Zielpunkt-Standorte (rund 1350 Mitarbeiter), für die Käufer gefunden werden konnten. Masseverwalter Freimüller hatte in der vergangenen Woche den Verkauf an 20 Bieter vermeldet. Darunter sollen auch heimische Handelsriesen wie Rewe, Spar und Hofer sein.

Am Zug ist nun die Bundeswettbewerbsbehörde (BWB). Als Wettbewerbshüterin muss sie die Übernahme kartellrechtlich prüfen. Eine Entscheidung wird in den kommenden Wochen erwartet, sagt Gehbauer vom KSV. Einerseits ist die BWB dazu angehalten, Konzentration in der Branche zu verhindern. Rewe, Spar und Hofer kontrollieren 84 Prozent des Marktes. Aus dem volkswirtschaftlichen Interesse heraus, möglichst viele Arbeitsplätze zu retten, könnte die Behörde hier aber großzügiger entscheiden.