Wien. (kle/apa) Das erhoffte Weihnachtswunder ist letztlich ausgeblieben. Für 112 Standorte der insolventen Lebensmittelkette Zielpunkt, knapp die Hälfte aller Filialen, haben sich keine Käufer gefunden. Am kommenden Samstag wird Masseverwalter Georg Freimüller diese Geschäfte schließen. Damit verlieren rund 1250 Zielpunkt-Angestellte ihren Job.

Für sie hat die Arbeiterkammer (AK) am Dienstag zwei Informationsveranstaltungen in Wien abgehalten - eine am Vormittag, die andere am frühen Nachmittag. Mehrere hundert Zielpunkt-Beschäftigte nahmen daran teil.

Bei einer Unternehmensschließung haben die davon betroffenen Mitarbeiter die Möglichkeit, den berechtigten vorzeitigen Austritt zu erklären. Damit könnten sich die Arbeitnehmer sofort einen neuen Job suchen und seien nicht durch die Kündigungsfrist gebunden, wie eine Vertreterin des "Insolvenzschutzverbandes für ArbeitnehmerInnen" sagte.

Arbeitsverhältnis endet mit Unternehmensschließung

Bei einem "berechtigten Austritt" wegen Unternehmensschließung enden die Arbeitspflicht und das Arbeitsverhältnis sofort. Der Antritt eines neues Arbeitsverhältnisses oder die Meldung beim Arbeitsmarktservice sind einen Tag nach dem Austritt möglich.

In jenen Zielpunkt-Filialen, die nun in Kürze geschlossen werden, läuft unterdessen seit Dienstag ein Großabverkauf. Auf fast den gesamten, noch vorhandenen Warenbestand gibt es einen Rabatt von 50 Prozent.

Weiter geöffnet bleiben hingegen die 113 Zielpunkt-Filialen mit ihren rund 1350 Mitarbeitern, die von 20 Käufern - darunter auch die beiden Branchenriesen Rewe und Spar - übernommen werden sollen. Mit der Anmeldung des Erwerbs rechnet die Bundeswettbewerbsbehörde in den nächsten Tagen. Die Behörde hat dann vier Wochen Zeit, die Übernahmen wettbewerbsrechtlich zu prüfen.

Prüfungstagsatzung am 25. Februar

In Österreich ist Zielpunkt heuer der größte Insolvenzfall und im Einzelhandel die größte Pleite seit Dayli und Niedermeyer. Das Unternehmen ist extrem überschuldet - mit mehr als 200 Millionen Euro. Die genaue Höhe der Forderungen der rund 730 Gläubiger wird erst im neuen Jahr feststehen: Forderungen können bis 11. Februar angemeldet werden. Die Prüfungstagsatzung, bei der die Werthaltigkeit der Forderungen geprüft wird, findet dann am 25. Februar statt.