Adeg-Lehrling: Ein "gutes Händchen im Umgang mit Lebensmitteln" ist gefragt. - © Rewe International
Adeg-Lehrling: Ein "gutes Händchen im Umgang mit Lebensmitteln" ist gefragt. - © Rewe International

Wien. Bei den großen Handelsketten ist die alljährliche Suche nach jungen Mitarbeitern für freie Lehrstellen voll angelaufen. Derzeit werden im Handel 16.000 Lehrlinge ausgebildet, "wir hatten aber schon einmal 20.000", sagt Handelsobmann Peter Buchmüller. Lehrstellen gebe es sehr wohl, doch es sei schwierig, geeignete Bewerber zu finden. Das liege teilweise am Image der Lehre. Denjenigen, die sich bewerben, würden oft "gewisse Voraussetzungen" nicht mitbringen, so Buchmüller.

Und: "Der Aufwand für die Lehrlingsausbildung ist sehr hoch." Die großen Lebensmittelfirmen haben die Mittel und ziehen sich so ihren Führungsnachwuchs heran. Bei Spar, dem größten Lehrlingsausbildner Österreichs mit knapp 2700 in Ausbildung befindlichen jungen Mitarbeitern, werden heuer wieder 900 Lehrstellen für 17 Lehrberufe ausgeschrieben, sagt Pressesprecherin Nicole Berkmann zur "Wiener Zeitung". Gesucht werden aufgeschlossene junge Menschen, denen auch die Beherrschung der Grundrechenarten keine Probleme bereiten. Auch gutes Allgemeinwissen schadet nicht. Neben dem Gehalt gibt es Zusatzprämien für besonderen Einsatz sowie Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten.

Auf den Gesamteindruck kommt es an


1700 Lehrlinge bildet Rewe International (Billa, Merkur, Penny, Bipa, Adeg, AGM) derzeit aus, 700 werden heuer neu aufgenommen. Wer mit einer Lehre mit Schwerpunkt Feinkostfachverkauf liebäugelt, sollte die 9. Schulstufe positiv absolviert haben. Auch Schulabbrecher höherer Schulen werden genommen. Chancen haben Bewerber, die "Freude und Spaß am Umgang mit Kunden" und ein "gutes Händchen im Umgang mit Lebensmitteln" haben.

Auch bei Rewe werden besondere Leistungen extra belohnt, bei Hofer ebenso. Der Diskonter beschäftigt aktuell rund 400 Lehrlinge, 150 werden neu aufgenommen. Wer die Lehrabschlussprüfung mit ausgezeichnetem Erfolg besteht, wird mit Reisegutscheinen im Wert von 1000 Euro belohnt. "Natürlich wirken sich gewissenhaft aufbereitete Bewerbungsunterlagen und gute Zeugnisnoten positiv auf den Gesamteindruck des Bewerbers aus, wenngleich Noten natürlich nur ein Entscheidungskriterium von vielen darstellen", heißt es.

"Wenn die Wirtschaft beklagt, dass die Bewerber nicht rechnen können, dann muss man eine generelle Bildungsdebatte führen", sagt Barbara Kasper von der Bundesjugendabteilung der GPA-djp. Die Gewerkschaft pocht auf die gesellschaftliche Verantwortung der Unternehmen: "Wollen die Unternehmen qualifizierte Mitarbeiter, müssen sie sie auch selbst ausbilden."