Wien. (kle) Noch ist der Chefposten bei A1, der Österreich-Tochter der Telekom Austria Group, interimistisch besetzt - von dem argentinischen Konzernboss Alejandro Plater, der die Funktion in Personalunion innehat. Doch nun steht nach längerer Suche fest, dass A1 mit 1. Juni einen eigenen Chief Executive Officer (CEO) bekommt. Die Wahl fiel auf die IT-Managerin Margarete Schramböck, teilte die Telekom am Dienstag mit. Bestellt wurde die 45-jährige Österreicherin für einen Zeitraum von fünf Jahren.

In der IT-Industrie ist Schramböck seit 1995 tätig. Ihre Karriere startete die studierte Betriebswirtin bei Alcatel. Managing Director war sie dann ab 2002 bei "NextiraOne" und ab 2014 bei Dimension Data Austria, einem aus der Fusion mit "NextiraOne" hervorgegangenen Unternehmen. Bei A1 steht Schramböck ab Juni an der Spitze eines insgesamt vierköpfigen Vorstandsteams. Die A1 Telekom Austria AG, so ihr vollständiger Firmenname, hat eigenen Angaben zufolge rund 5,4 Millionen Mobilfunkkunden und knapp 2,3 Millionen Festnetzanschlüsse. In Österreich ist sie damit die Nummer eins der Telekombranche.

Telekom-Rückzug von Börse?

Dass der A1-Chefposten im Telekom-Konzern, den der mexikanische Mobilfunkbetreiber América Móvil seit 2014 kontrolliert (die Staatsholding Öbib ist nur Junior-Partner), mit einer Österreicherin oder einem Österreicher besetzt wird, war dem Finanzministerium und dem Telekom-Betriebsrat sehr wichtig. Im Vorjahr war dies beim Abgang von Hannes Ametsreiter als Telekom- und A1-Chef bzw. der Bestellung des Argentiniers Plater zu seinem Nachfolger auch so mit den Mexikanern vereinbart worden. Gewünscht hatte man sich jemanden, der mit Großkunden und der Republik auf Augenhöhe verhandeln könne. Mit Plater, der nur sehr gebrochen Deutsch sprechen soll, sei dies schwierig gewesen, wie aus dem Umfeld des TelekomKonzerns zu hören ist.

Unterdessen kursieren in Medien seit längerer Zeit Spekulationen, wonach die im Eigentum des mexikanischen Milliardärs Carlos Slim stehende América Móvil die Telekom von der Wiener Börse nehmen könnte. Derzeit sind nur 11,88 Prozent der Telekom-Aktien breit im Publikum gestreut. América Móvil hält 59,70 Prozent, die Öbib (vormals ÖIAG) 28,42 Prozent. Zwar haben sich die Mexikaner in einem Syndikatsvertrag mit der Staatsholding verpflichtet, den Telekom-Streubesitz über den Verkauf eigener Aktien bis Oktober 2016 auf 20 Prozent zu erhöhen. Da der Telekom-Börsenkurs derzeit aber mit rund fünf Euro im Keller ist, wäre das für América Móvil ein Verlustgeschäft - zumal der lateinamerikanische Konzern für seine Telekom-Aktien deutlich mehr Geld bezahlt hat.

Für América Móvil wäre es daher nach Einschätzung von Analysten attraktiver, die Streubesitzaktionäre abzufinden und die Telekom von der Börse zu nehmen. Im Syndikatsvertrag ist freilich festgeschrieben, dass die Telekom börsenotiert bleiben muss. Ohne Kehrtwendung der Republik geht da wohl nichts.

Massive Attacken

Gut möglich wäre nun, dass die Frist für die Erhöhung des Streubesitzanteils verlängert wird. Ihre Jahresbilanz für 2015 präsentiert die Telekom am kommenden Dienstag. In den ersten drei Quartalen belief sich der Gewinn auf gut 308 Millionen Euro. Neben Österreich ist die Telekom (rund 16.000 Mitarbeiter) in acht osteuropäischen Ländern tätig.

Unterdessen wurde bekannt, dass A1 seit der Nacht auf Samstag das Ziel massiver DDOS-Tattacken gewesen. Das Bombardement durch umfangreiche Datenpakete aus mehreren Herkunftsländern hatte Probleme für das mobile Internet zur Folge, bestätigte ein A1-Sprecher.