Rom/Mailand/Wien. Der Chef des weltweit größten Brillenkonzerns Luxottica, Leonardo Del Vecchio, der über seine Holding Delfin Aktionär der italienischen Bank-Austria-Mutter Unicredit ist, fordert einen Wechsel an der Spitze der Mailänder Bank. Unicredit veröffentlicht am Dienstagabend die Bilanz für das Jahr 2015.

"Unicredit-Chef Federico Ghizzoni ist ein guter Banker, aber das Geldhaus braucht heute einen derart radikalen Wandel für den Beginn eines neuen Wegs, den man nur mit Diskontinuiät verwirklichen kann", betont Del Vecchio im Interview der römischen Zeitung "La Repubblica" (Montagausgabe).

"Bei Unicredit müssen sich die Manager an die Zeiten anpassen, die wir erleben." Allein in Mailand müssten hunderte Filialen schließen, die in der digitalen Ära nutzlos sind. "Wenn man mit der Zeit nicht Schritt hält, tauchen Probleme auf", meint Del Vecchio. Mit Blick auf die an der Mailänder Börse unter Druck geratenen Bankenaktien beklagt der 80-jährige Großunternehmer, dass die italienischen Kreditinstitute es in den vergangenen Jahren verabsäumt hätten, sich zu modernisieren.

Unicredit-Aktienkurs
am Montag auf Talfahrt


Del Vecchios überraschende Forderung nach einem Chefwechsel bei Unicredit schickte am Montag den Börsenkurs des Mailänder Finanzhauses auf Talfahrt. In einem für Banken wetweit schwierigen Umfeld verlor die Unicredit-Aktie knapp sechs Prozent an Wert, infolge ihrer Kursverluste wurde sie am Nachmittag dann sogar vorübergehend vom Handel ausgesetzt.

Luca Cordero di Montezemolo, stellvertretender Unicredit-Verwaltungsratspräsident, wollte Del Vecchios Aussagen nicht kommentieren. "Del Vecchio ist eine außergewöhnliche Person, ein Freund und einer der Unternehmer, die ich am meisten schätze. Aber zu Unicredit will ich nichts kommentieren - und dies aus einem einfachen Grund: Am Dienstag findet eine wichtige Verwaltungsratssitzung statt", so Montezemolo. Sobald der Verwaltungsrat heute die Konzernbilanz für 2015 abgesegnet hat, geht die Bank mit ihren Jahreszahlen an die Öffentlichkeit.

Vor kurzem hatte Montezemolo betont, dass Unicredit solide dastehe. Er dementierte zu Wochenbeginn auch Mediengerüchte, wonach Konzernchef Ghizzoni abgelöst werden solle und es zu einem Wechsel an der operativen Führungsspitze komme.

Ghizzoni war früher
Bank-Austria-Vize in Wien


In den wenigen Wochen seit Jahresbeginn ist der Unicredit-Börsenkurs bereits um rund 40 Prozent eingebrochen. Viele Anleger sorgen sich bei italienischen Finanztiteln generell um deren hohen Bestand an notleidenden Krediten - eine Folge der jahrelangen Rezession im Land.

Unicredit-Chef ist Ghizzoni seit Herbst 2010. Davor war der Italiener mehrere Jahre stellvertretender Generaldirektor und Osteuropa-Vorstand der Bank Austria. In Finanzkreisen heißt es, Ghizzoni habe die jüngst beschlossene Ablöse von Willibald Cernko als Bank-Austria-Chef betrieben. Für Cernko kommt mit 1. März Robert Zadrazil. Dieser soll das Filialgeschäft in Österreich sanieren.