Wien. Für die teilstaatliche Telekom Austria war 2015 ein erfolgreiches Jahr. Nach einem Verlust von 185,4 Millionen Euro 2014 verbuchte der Konzern, der vom mexikanischen Mobilfunkriesen America Movil kontrolliert wird, einen Gewinn von 392,8 Millionen. So erfreulich die Ergebnisentwicklung ist, die Zukunft der Telekom bleibt weiterhin ungewiss. Die Mehrheitseigentümerin America Movil ziert sich derzeit noch, ihre Anteile auf knapp über 50 Prozent zu senken, wie das im Syndikatsvertrag vereinbart ist.

"Der Gewinn ist höher als in den letzten fünf Jahren gemeinsam", sagte Telekom-Chef Alejandro Plater am Mittwoch vor Journalisten. Der Umsatz stieg um 1,3 Prozent auf 4,046 Milliarden Euro. Das Betriebsergebnis (EBIT) betrug 574 Millionen Euro, nach einem Minus von drei Millionen im Jahr davor. Der Cash-Flow aus der laufenden Geschäftstätigkeit erhöhte sich um 19 Prozent auf 1,07 Milliarden Euro. Die Nettoverschuldung sank mit 2,68 Milliarden Euro leicht. Die Fusion mit der Liechtensteiner Telekom brachte 26,8 Millionen Euro. 30 weitere Millionen brachte eine Streitbeilegung mit der Telekom Slovenije. Die Dividende soll wieder bei 5 Cent je Aktie liegen.

Investitionsschwerpunkt in Österreich

Auch die Österreich-Tochter A1 konnte ihren Umsatz um 2,2 Prozent auf 2,5 Milliarden Euro steigern. Das Betriebsergebnis stieg um 166 Prozent auf 418,1 Millionen Euro. "Der Umsatz pro Kunde ist allerdings zurückgegangen", sagte Finanzvorstand Siegfried Mayrhofer.

Im Vorjahr hat die Telekom rund eine halbe Milliarde in Österreich investiert, vorrangig in den Ausbau der Infrastruktur. Heuer will man laut Aussendung weitere 780 Millionen Euro für Investitionen in die Hand nehmen. In Österreich "geben wir zwei Drittel des Geldes aus", sagte Mayerhofer. Geplant ist etwa der Ausbau des LTE-Mobilfunknetzes. "In Österreich wollen wir heuer mehr als 90 Prozent der Bevölkerung mit LTE versorgen können, das ist im europäischen Vergleich wirklich gut", sagte Plater.

Das dafür benötigte Geld könne man aus dem eigenen Budget stemmen. "Wir planen keine Kapitalerhöhung", betonte Plater auf Nachfrage. Der Umsatz soll heuer wieder um ein Prozent gesteigert werden.

Nach dem Abgang von Telekom-Chef Hannes Ametsreiter, er soll sich mit dem Mehrheitseigentümer verworfen haben, habe Plater keine größeren Restrukturierungspläne. Stellenabbau kann allerdings nicht ausgeschlossen werden. Während sich der Mitarbeiterbestand im gesamten Konzern 2015 um 8,8 Prozent auf 17.673 Mitarbeiter erhöhte, sank er in Österreich um 1,4 Prozent. "Dafür hat es Sozialpläne gegeben, die zur Gänze von uns als Unternehmen bezahlt werden, es gibt keinerlei Zuwendungen der öffentlichen Hand", betonte Mayrhofer.

Republik verhandelt mit Mehrheitseigentümern

Durch Investitionen wolle Plater die Telekom zu einem "relevanten Player" in Europa machen. Mehr Informationen zur Zukunft des Konzerns gab es allerdings nicht. "Wir können solche Fragen nicht kommentieren, denn das gehört nicht zu unserem Aufgabenbereich", sagte Plater, weil das Aufgabe der Eigentümer sei. Das Management habe jedenfalls keinen Auftrag bekommen, einen Börsenrückzug vorzubereiten, wie in jüngster Vergangenheit immer wieder spekuliert wurde.

Laut Syndikatsvertrag hat sich die Mehrheitseigentümerin 2014 dazu verpflichtet, bis Oktober 2016 ihren Anteil an der Telekom von derzeit 59,7 Prozent auf knapp über 50 zu reduzieren und damit den Streubesitz von 11,88 auf 20 Prozent zu erhöhen. Die heutige Österreichische Bundes- und Industriebeteiligungen GmbH (Öbib) - ehemals ÖIAG - verwaltet die verbliebenen 28,42 Prozent der Republik an der Telekom.

Ein Verkauf der Aktien wäre für die America Movil ein Verlustgeschäft. Zwar zog der Aktienkurs nach der Bekanntgabe des Jahresergebnisses etwas an (siehe Grafik). Er liegt aber noch immer unter dem Ausgabekurs von 9 Euro beziehungsweise 7,15 Euro je Aktie, um die America Movil die Anteile erworben hat. Und er ist noch weit entfernt vom 19,65-Euro-Höchstwert im Februar 2007. Laut "Standard" sieht der Syndikatsvertrag bei Nichteinhaltung der Vereinbarungen hohe Pönalezahlungen vor. Diese müsste man allerdings vor einem internationalen Schiedsgericht einklagen. Das würde aber vermutlich Jahre dauern.

Bei der Öbib gibt man sich zu den Spekulationen über die Telekom-Zukunft wortkarg: "Aktuell wird die Sachlage rund um das von Ihnen angesprochene Thema eingehend geprüft, und es werden mögliche Auswirkungen abgewogen. Eine abschließende Bewertung ist zurzeit noch nicht möglich", heißt es auf Nachfrage. Das Finanzministerium will sich zur Frage nach Verhandlungen mit America Movil und den Spekulationen rund um eine mögliche Streubesitzablöse gar nicht äußern.