Wien. Es ist ein Wahnsinns-Deal, den eine angebliche britische Bank nun auch potenziellen Kunden im deutschsprachigen Raum anbietet: Für eine Einschreibegebühr in Höhe von 35 Pfund (derzeit umgerechnet 45 Euro) plus einer Mitgliedsgebühr von 10 Pfund (13 Euro) monatlich für die nächsten zehn Jahre - zu übermitteln in bar mit der Post - kommt ein Scheckbuch mit 25 Schecks im Gesamtwert von 150.000 Pfund (ca. 200.000 Euro) ins Haus.

Mit diesen Schecks der "WeRe Bank" könnten Schulden jedweder Art - Miete, Steuern, Versicherungen etc. - bezahlt werden, heißt es auf deren Homepage. Und: Die Schecks würden nun auch in Österreich akzeptiert. Man müsse nur einen unterschriebenen Schuldschein ("Promissory Note"), fällig in zehn Jahren, beilegen. Geld und Schuldschein sind per Einschreiben an eine Postadresse in Manchester zu senden. Dort ist der angebliche Sitz der "WeRe Bank", vor der die britische Regulierungsbehörde FCA (Financial Conduct Authority) schon im September des Vorjahres warnte.

Unternehmen und Behörden hätten der FCA gemeldet, dass Bürger versucht hätten, Schecks einzulösen und damit ihre Schulden zu begleichen, berichtete die Tageszeitung "The Guardian". Gelungen sei es jedoch keinem, denn die Schecks wurden - o Wunder - nicht akzeptiert.

Schwindel mit Phantasie-Schecks

Nun wird auf der Homepage behauptet, dass die Schecks in Deutschland und auch in Österreich angenommen wurden und als Clearingschecks eingesetzt wurden. Das Finanzamt Baden Mödling habe die Einlösung eines Schecks bestätigt, heißt es.

Auch gebe es Signale, dass österreichische Banken die Schecks akzeptieren. Die Finanzmarktaufsicht (FMA) warnt: Der Betreiber der Website sei "nicht berechtigt, konzessionspflichtige Bankgeschäfte in Österreich zu erbringen." Dazu zählt auch die Ausgabe von Schecks.

Die FMA veröffentlicht seit 2003 auf ihrer Homepage und im Amtsblatt der "Wiener Zeitung" regelmäßig nationale Investorenwarnungen, in denen sie darauf hinweist, dass bestimmte Anbieter in Österreich über keine entsprechenden Konzessionen verfügen - was ein Hinweis darauf ist, dass es an Seriosität fehlt. Im vergangenen Jahr gab es 42, heuer sind es bisher sieben solcher nationaler Warnungen. Die Zahl sei über die Jahre relativ konstant, sagt FMA-Pressesprecher Klaus Grubelnik. "Es ändern sich nur die Modelle und Techniken."

So werden beim Modell "Investment auf Probe" Anleger zunächst dazu angehalten, kleinere Beträge in oftmals unbekannte Aktien zu investieren. Mit kleinen Gewinnen sollen die Anleger bei der Stange gehalten und dazu motiviert werden, einen größeren Betrag zu investieren. Dann wird meist der Kontakt abgebrochen, und das Geld ist futsch. Bei Schneeballsystemen oder Pyramidenspielen werden anstelle realer Investments die Gewinne der Anleger durch die Einzahlung neuer Anleger finanziert. Gibt es keine Neuen, bricht das Konstrukt zusammen. So hatte die FMA etwa vor dem deutschen Anlagebetrüger Ulrich Engler gewarnt, der ein riesiges Schneeballsystem betrieb, auf das auch Anleger aus Österreich hereinfielen.

Sich eines bekannten Namens aus der Finanzbranche zu bedienen, um Anleger anzulocken, ist auch so ein Trick. Die Kapital & Wert Vermögensverwaltung AG gab es zwar einmal - sie verschmolz 2007 mit der Wiener Privatbank Immobilieninvest AG -, sie ist jedoch nicht die Betreiberin der Website "kapitalwertbank.com", vor der die FMA seit kurzem warnt. Mit der Namensgleichheit soll suggeriert werden, es handle sich um einen seriösen Anbieter.

Wer der Meinung ist, die Investorenwarnung bestehe zu Unrecht, hat seit 2010 die Möglichkeit, ein behördliches Verfahren anzustrengen und eine unrichtige Meldung zu widerrufen. Grubelnik erinnert sich an "zwei oder drei Fälle, wo dies verlangt wurde" und an einen Fall, wo die Warnmeldung wieder entfernt wurde.

Kein Impressum - Hände weg!

Die FMA, die bei der Bekämpfung von "unerlaubtem Geschäftsbetrieb" Hinweisen von Marktteilnehmern oder anderen Behörden nachgeht und auch selbst regelmäßig Marktbeobachtungen durchführt, stellt die Warnungen jedenfalls nicht ohne genaue vorherige Prüfung ins Web. Sie versucht, vor der Veröffentlichung die Unternehmen, die ihre Dienstleistungen ohne entsprechende Konzession anbieten, zu kontaktieren und sie aufzufordern, ihre Tätigkeit zu unterlassen, sagt Grubelnik.

Einen Kontakt herzustellen ist aber schwierig, wenn es nicht einmal ein Impressum, geschweige denn eine Adresse gibt. Unseriöse Anbieter erkenne man auch an Adressen in Offshore-Destinationen, an besonders hochtrabenden Werbesprüchen und hohen Renditeversprechen. Verdächtig sind weiters komplexe Produktbeschreibungen "Es gilt die Grundregel: Was zu gut klingt, um wahr zu sein, ist es meistens auch nicht", betont die FMA.

Im Falle der WeRe-"Bank", hinter der der britische Staatsbürger Alan Peter Michael Smith alias "Peter of England" steht, dürfte es nur einen Gewinner geben: nämlich jene Person, die sich über die mit Pfund-Noten prall gefüllten Kuverts in ihrem Postfach in Manchester freut.

Die Begründung dafür, warum die ausgestellten Schecks ein legales Zahlungsmittel sein sollen und sie daher überall zu akzeptieren seien, führt in die Welt der Esoterik. Wer Schulden hat und damit nicht klar kommt, sucht besser eine Schuldnerberatungsstelle auf.