Wien. Die digitale Revolution ist in vollem Gange - und von einem Begriff geprägt: Geschwindigkeit. Im Zuge der immer rasanteren technologischen Entwicklung laufen viele Unternehmen Gefahr, den Anschluss zu verlieren. Diesen Eindruck bestätigt der soeben veröffentlichte Report "Technology Vision 2016" des Beratungsunternehmens Accenture.

Bei der Umfrage unter weltweit 3100 Business- und IT-Entscheidern gab ein Drittel der Befragten an, dass die Wirtschaft bereits jetzt maßgeblich von der Digitalisierung beeinflusst wird. 86 Prozent erwarten in den nächsten drei Jahren Veränderungen, die "schneller und tiefgreifender sein werden als je zuvor".

"People first"


"Nur diejenigen Unternehmen werden die Chancen der Digitalisierung voll nutzen, die ihre Mitarbeiter befähigen, sich dauerhaft weiterzubilden, um mehr mit digitalen Technologien zu erreichen", sagt Daniel Baur von Accenture Österreich. "Daher bildet ‚People First‘ die Grundlage unserer diesjährigen Analyse." Jedes Unternehmen könne erfolgreiche Geschäftsmodelle entwickeln, solange es den Menschen in den Mittelpunkt stelle. Accenture identifiziert dazu Trends, die über den Erfolg entscheiden.

So bilden intelligente Automationslösungen die Grundlage für die "Industrie 4.0". Diese Vision einer vierten industriellen Revolution bedingt eine unternehmensinterne und unternehmensexterne Vernetzung von Menschen, Maschinen sowie Produktions- und Logistiksystemen. Dabei kommunizieren alle Elemente.

"Maschinen- und Software-Intelligenz werden zu neuen Mitarbeitern der Belegschaft. Sie bringen neue Fertigkeiten ein, die den Menschen helfen, neue Aufgaben zu übernehmen und Dinge ganz neu zu erfinden", erklärt Baur. Manager forcieren die Automatisierung durch Nutzung von Artificial Intelligence (AI), Robotertechnik und Augmented Reality, die computergestützte Wahrnehmung, bei der die reale Welt um virtuelle Aspekte erweitert wird. 70 Prozent wollen stärker in Technologien rund um AI zu investieren als noch vor zwei Jahren.

Flexible Mitarbeiter


Die digitale Technologie verändert auch die Anforderungen an Mitarbeiter grundlegend. Die Zeiten, in denen die meisten Angestellten ihre gesamte berufliche Laufbahn mit der gleichen Tätigkeit ausgefüllt haben, sind passé. Heute entsteht über alle Branchen hinweg eine sogenannte "Liquid Workforce" - das sind flexible, anpassungsfähige und reaktionsschnelle Mitarbeiter in Unternehmen mit ebenso agiler strategischer Ausrichtung. Spezial- und Expertenwissen rangiert nur noch auf Platz fünf der Fähigkeiten, die Mitarbeiter in der digitalen Arbeitswelt haben sollten. Deutlich wichtiger ist den Arbeitgebern, "dass Mitarbeiter flexibel sind, und in der Lage, sich schnell fortbilden zu können".

Plattformbasierte Unternehmen wie Amazon, Alibaba oder Uber beschäftigen direkt oder indirekt bereits Millionen von Menschen. Das ist das Ergebnis der ersten Untersuchung zu 176 plattformbasierten Firmen weltweit, mit jeweils einem Marktwert von einer Milliarde US-Dollar und mehr, die vom Center for Global Enterprise (CGE) durchgeführt wurde. "Eine Plattform wie Uber hat sich innerhalb von sieben Jahren in 67 Länder ausgedehnt - eine Leistung, für die IBM 50 Jahre gebraucht hat", sagt CGE-Gründer Sam Palmisano.

Führende Unternehmen nutzen daher plattformbasierte Geschäftsmodelle, um zu wachsen. Sie treiben damit den größten Wandel der Wirtschaft seit der industriellen Revolution voran. 81 Prozent der Umfrageteilnehmer sagen, dass plattformbasierte Modelle in den nächsten drei Jahren zum Kern ihrer Wachstumsstrategie gehören werden.

Grenzen verschwimmen


Durch die Digitalisierung verschwimmen auch die Grenzen zwischen bisher getrennten Branchen und Industriezweigen, und es entstehen komplett neue digitale Geschäftsnetzwerke. Erfolgreiche Firmen analysieren diese Entwicklung und sichern sich rechtzeitig Wettbewerbsvorteile. So gaben 81 Prozent der Befragten an, diese Entwicklung in ihrer Branche bereits zu erkennen.