Berlin. Mitte Jänner hatte die Furcht vor enttäuschenden Geschäftszahlen 2015 die Aktie von Zalando gewaltig unter Druck gesetzt. Mit einem Minus von zeitweise acht Prozent gehörten die Titel zu den schwächsten Werten im Nebenwerte-Index MDax. Zuletzt drehten die Kurse wieder deutlich ins Plus. Die am Dienstag präsentierten Zahlen bekräftigen den Stimmugsumschwung: Demnach erwirtschaftete der Europas größter Online-Modehändler im Vorjahr einen Gewinn von 121,5 (Vorjahr: 47,1) Millionen Euro und steigerte den Umsatz um 34 Prozent auf 2,96 Milliarden Euro.

Nach dem kräftigen Wachstum will sich der Berliner Konzern heuer weitere Marktanteile sichern und greift dafür tief in die Tasche. "Wir glauben, dass Zalando in der Zukunft einen Anteil von fünf Prozent am europäischen Modemarkt haben kann", sagte Vorstand Rubin Ritter. Derzeit kommt Zalando auf rund ein Prozent. Um weiter aus eigener Kraft zu wachsen, will der 2008 gegründete Modekonzern mit inzwischen 18 Millionen Kunden 2016 200 Millionen Euro in den Ausbau von Technologie und Logistikstandorten stecken - trotz eines prognostizierten Umsatzplus von nur 20 bis 25 Prozent. "Das bleibt ein ambitioniertes Ziel, nur wenige Firmen weltweit wachsen in einem solch schnellen Tempo", sagte Ritter.

Die seit 2014 börsennotierte Modefirma konkurriert unter anderem mit dem Branchenprimus Amazon und dem britischen Online-Händler Asos. Getrieben von der weltweiten Verbreitung von Smartphones und Tablets hat der Onlinehandel in den vergangenen Jahren einen rasanten Aufschwung erlebt. Amazons Pläne, ein eigenes Modelabel aufzubauen, machen Ritter keine Angst: "Unsere Ausgangslage ist sehr stark. Mode ist ein emotionales Geschäft und unterscheidet sich stark vom Verkauf von Büchern und DVDs."

Die Hälfte des Umsatzes macht Zalando in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Hier wuchsen die Einnahmen im vergangenen Jahr um 28 Prozent. In zwölf anderen europäischen Märkten war der Zuwachs mit 41 Prozent zwar deutlich stärker, dort steckt der Konzern aber noch in den roten Zahlen. Die meisten Kunden kommen laut Ritter mittlerweile über die Zalando-App. "Das Mobilgeschäft wird immer wichtiger für uns", betonte er. Im vierten Quartal bestellten knapp 60 Prozent der Kunden via Smartphone oder Tablet, ein Jahr zuvor waren es 48 Prozent.