Wien. Der jahrelange Umbau des Geschäfts hat sich offenbar ausgezahlt: Am Donnerstag gab die Bawag den höchsten Jahresgewinn in ihrer Geschichte bekannt. Knapp 418 Millionen Euro verdiente die Wiener Großbank 2015 unter dem Strich und damit um gut ein Viertel mehr als im Jahr davor. Grund für den Gewinnsprung waren ein höherer Nettozinsertrag, geringere Betriebskosten und nahezu halbierte Kreditrisikovorsorgen.

Nach langem Darben sollen die Aktionäre der ehemaligen Gewerkschaftsbank nun erstmals eine Dividende bekommen. Wie Bankchef Byron Haynes mitteilte, sollen aus dem Vorjahresgewinn in Summe 325 Millionen Euro ausgeschüttet werden. Zuvor war die Bawag von Brüssel viele Jahre mit einem Dividendenverbot belegt, weil sie im Zuge der Finanz- und Wirtschaftskrise staatliche Kapitalhilfe in Anspruch genommen hatte. Mit der Rückzahlung der letzten Tranche des Staatskapitals 2014 war diese EU-Auflage dann hinfällig.

Den mit Abstand größten Teil der Dividende kassieren die beiden US-Fonds Cerberus und Golden Tree. Sie halten an der Bawag mehr als 90 Prozent und kontrollieren das Institut gemeinsam. Die restlichen Anteile gehören österreichischen Investoren: der Post, der Generali sowie dem Industriellen Hannes Androsch.

750 Arbeitsplätze allein seit 2012 abgebaut

Amerikanisch ist die Bawag seit Mitte 2007, da hatte Cerberus die Bank - nach ihrem Beinahe-Crash infolge hoher Spekulationsverluste - vom ÖGB übernommen. Seither weht bei der Bawag in Sachen Personal ein anderer Wind. Allein in den vergangenen vier Jahren ist die durchschnittliche Mitarbeiterzahl um mehr als 750 zurückgefahren worden. Hatte die Bank 2012 noch gut 4500 Beschäftigte gehabt, waren es 2015 mit rund 3750 deutlich weniger.

Einen weiteren Jobabbau stellte Bawag-Chef Haynes in der gestrigen Bilanzpressekonferenz in Abrede, obwohl er eine weitere Straffung des Filialnetzes vor dem Hintergrund der fortschreitenden Digitalisierung ankündigte. Derzeit hat die Bawag mehr als 480 Filialen in Österreich, die sie gemeinsam mit der Post betreibt. Die "digitale Transformation" der Bank werde jedenfalls zu einer weiteren "Rekonfiguration" der Filialen führen, sagte Haynes.

Heuer will die Bawag, die 1,6 Millionen Privat- und Firmenkunden hat, nochmals einen Gang höher schalten und organisch kräftig wachsen - zum Beispiel mit der Expansion ihrer Online-Tochter Easybank nach Deutschland. Den Nettogewinn will Haynes im laufenden Jahr auf mehr als 450 Millionen Euro steigern.

"Interessante Geschäftsmöglichkeiten"

Bekräftigt hat der Bawag-Chef am Donnerstag, dass sein Haus in der derzeitigen Umbruchs- und Übergangsphase, in der sich die Bankenbranche befinde, "interessante Geschäftsmöglichkeiten" orte und diese "einzigartigen Chancen" nutzen wolle. Haynes deutete damit zwischen den Zeilen auch mögliche Akquisitionen an. Allfälliges Interesse etwa an einer Übernahme der deutschen Postbank oder des Filialgeschäfts der Bank Austria wollte der britische Banker jedoch nicht kommentieren. Haynes betonte lediglich, dass die Bawag eine "aktive und konstruktive Rolle bei der Bankenkonsolidierung" spielen wolle.

Als Kernmarkt sieht er freilich weiterhin Österreich, wo die Bawag zwei Drittel ihres Geschäfts abwickle. Wichtige Auslandsmärkte seien Deutschland, Frankreich und Großbritannien. In Russland, China und Osteuropa ist die Bank laut Haynes nicht engagiert. "Wir haben auch nichts von der Heta (Nachfolgerin der Pleitebank Hypo Alpe Adria, Anm.) in unseren Büchern."

Zum millionenschweren Rechtsstreit mit der Stadt Linz um ein für diese schief gelaufenes Spekulationsgeschäft (Franken-Swap) sagte Haynes, dass die Bawag nun auf die Meinung der Gutachter warte. Im vergangenen Jahr habe sich da jedenfalls "nichts getan".