Wien/Klagenfurt. Jetzt ist es offiziell: Kärnten ist mit seinem Abschlagsoffert bei den Anleihegläubigern der Heta, der Nachfolgerin der Pleitebank Hypo Alpe Adria, abgeblitzt. Die erforderliche qualifizierte Mehrheit sei nicht erreicht worden, teilte das Land am Montag mit. Das Angebot ist somit erloschen, und ein weiteres gibt es nicht. Programmiert sind nun jahrelange Gerichtsverfahren - denn die meisten Gläubiger wollen von ihren Forderungen keine Abstriche machen, da sie Kärnten in der Haftungspflicht sehen.

Vorerst aber gilt der von der Finanzmarktaufsicht festzusetzende Haircut, der weit heftiger ausfallen dürfte als der im Angebot, als nächster Akt im Schuldendrama um die Heta. Dieser erfolgt, bevor das Moratorium, wie verfügt, per Ende Mai ausläuft. Den Bescheid zum Schuldenschnitt erwartet Finanzminister Hans Jörg Schelling in den kommenden Wochen, wie er am Montag sagte.

Nach der Haircut-Verfügung ist dann mit einer Flut von Gläubigerklagen gegen Kärnten zu rechnen. Dabei wird dann wohl die gesamte, bei der Heta aushaftende Summe von knapp elf Milliarden Euro eingeklagt werden.

Erste Klage einer
großen Gläubigergruppe

Eine erste Klage, eingebracht beim Landesgericht Klagenfurt, erfolgte schon zu Wochenbeginn. Die "Ad Hoc Gruppe", die Ansprüche von mehr als 2,5 Milliarden Euro geltend macht, will Kärnten damit "zur Einhaltung seiner Verpflichtungen bewegen".

Für den Streit vor Gericht sieht sich Kärnten jedenfalls gerüstet. "Wir haben uns natürlich auch darauf vorbereitet", erklärte Finanzreferentin Gabriele Schaunig am Montag via Presseaussendung.

Die Heta-Gläubiger werfen dem Land vor, es habe sich für sein Angebot bewusst arm gerechnet und könne wesentlich mehr leisten. Indes hat Kärnten stets unterstrichen, dass es außerstande sei, mehr als das Gebotene zu zahlen. Kommt es in der Debatte über die finanziellen Möglichkeiten Kärntens hart auf hart, will das Land auch die Gültigkeit seiner Haftungen bestreiten.

Schelling geht allerdings davon aus, dass sie gelten. Wenn Kärnten das anders sehe, sei das dessen Sache. Der Bund hafte jedenfalls nicht - im Gegensatz zu Deutschland, wo das bei dessen Ländern de jure sehr wohl der Fall ist.

Alles in allem - bei Ausschöpfung des gesamten Instanzenwegs - könnten sich die Rechtsstreitigkeiten nach Einschätzung des Finanzministers acht bis zehn Jahre hinziehen. Solange es kein rechtskräftiges Urteil zu Kärntens Ungunsten gibt, wird das Land aber wohl auch nicht pleitegehen.