Wien. Die Flüchtlinge, die Steuerreform, die Nullzins-Politik der EZB und der tiefe Ölpreis sorgen heuer für einen leichten Konjunkturaufschwung. Das Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) und das Institut für Höhere Studien (IHS) rechnen für heuer und für 2017 mit einem Wachstum des Bruttoinlandprodukts (BIP) von 1,6 beziehungsweise 1,5 Prozent. Angesichts der gedämpften Welt-Konjunktur mussten beide Institute ihre Prognosen um je 0,1 Prozentpunkte herabsetzten.

Wifo-Chef Karl Aiginger sprach in diesem Zusammenhang von einer "Wellblechkonjunktur". In einem Quartal laufe es besser, im anderen schlechter. Ohne die Sondereffekte wie die höheren Aufwendungen für die Flüchtlinge und die Steuerreform läge das Wachstum heuer bei knapp einem Prozent. Laut dem Wifo-Ökonomen Stefan Ederer tragen Steuerreform und Flüchtlinge rund 0,4 Prozent zum BIP-Wachstum bei.

Mehr Konsum und
mehr Arbeitslose


Durch die rund fünf Milliarden Euro schwere Steuerentlastung, die heuer in Kraft getreten ist, springt der zuletzt eingeschlafene heimische Konsum wieder etwas an. Er steigt um 1,8 (Wifo) beziehungsweise 1,4 (IHS) Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die im Euroraum-Schnitt höhere Inflation schränkt das Wachstum allerdings etwas ein. Mit 1,2 Prozent heuer und 1,8 Prozent im nächsten Jahr liegt Österreich um einen Prozentpunkt über der deutschen Teuerung, was die heimische Wettbewerbsfähigkeit einschränkt.

Auch wenn es mit der Wirtschaft ganz leicht bergauf geht, wird die Arbeitslosigkeit hierzulande dennoch weiter steigen. Wifo und IHS rechnen mit einem Anstieg auf 9,8 Prozent bis zum Jahr 2017. Im Vorjahr betrug die Arbeitslosenquote nach nationaler Definition noch 9,1 Prozent. Allerdings rechnet man nicht damit, dass die Zehn-Prozent-Marke überschritten wird.

Grund für die steigende Arbeitslosigkeit ist neben der schwachen Konjunktur auch der Zuzug aus dem Ausland. Damit ist das Angebot an Arbeitskräften höher als die Nachfrage. Dennoch bewertet Helmut Hofer vom IHS den Zuzug an Arbeitskräften aus Osteuropa positiv. Die Liberalisierung des Arbeitsmarktes erlaube Österreich stärker zu wachsen.

Beim Thema Flüchtlinge plädiert Hofer dafür, die Asylberechtigten so schnell als möglich in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Auch bei Kindern mit nichtdeutscher Muttersprache oder aus bildungsfernen Schichten sei eine möglichst frühe Förderung, schon im Kindergarten, notwendig, statt später in teure Arbeitsmarkt-Maßnahmen zu investieren.

Den Euroraum sieht das Wifo - nach 1,6 Prozent im Vorjahr heuer und 2017 um 1,4 und 1,6 Prozent wachsen, das IHS um 1,5 und 1,6 Prozent. Für die EU-28 gehen die beiden Institute von 1,6 und 1,8 Prozent (Wifo) beziehungsweise 1,7 und 1,8 Prozent (IHS) aus. Das globale BIP soll 2017 laut Wifo mit 3,4 Prozent stärker zulegen als heuer (3,1 Prozent wie 2015). Auch die Exporte sollen etwas an Fahrt gewinnen. Für heuer prognostiziert das Wifo einen Anstieg um 2,7 Prozent, das IHS um 3 Prozent.

China, Russland aber auch Brasilien kämpfen mit wirtschaftlichen Problemen. "Es mehren sich Anzeichen, die auf eine weitere Verlangsamung der Weltkonjunktur hindeuten", lautet die Conclusio. Die osteuropäischen EU-Mitgliedsstaaten, ein wichtiger Markt für Österreich, sind davon allerdings nicht betroffen und wachsen stärker als der EU-Durchschnitt.